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Dr. Benny Peiser ist Direktor der "Global Warming Policy Foundation", einer britischen Denkfabrik, die eine Vielzahl der politischen Maßnahmen, die helfen sollen, eine mögliche menschengemachte globale Erwärmung zu bekämpfen, in Frage stellt. Im Interview mit Ökowatch spricht er über die Zusammenhänge zwischen Umweltschutz, Marktwirtschaft und staatlichen Maßnahmen.
Ökowatch: Herr Dr. Peiser, Sie betreiben die bekannte aufklärende Internetseite The Global Warming Policy Foundation. Was hofft die Global Warming Policy Foundation zu erreichen?
Benny Peiser: Wir sind ein sogenannter „educational think tank“. Dabei sind wir völlig parteiunabhängig. In unserem Vorstand haben wir Vertreter aller drei großen Parteien hier in Großbritannien: Labour, Liberale und Konservative. Unser Hauptziel ist nicht die Durchführung von Kampagnen, sondern Aufklärung. Wir wollen eine Balance in die ganze Klima- und Energiedebatte bringen. Alle wichtigen Argumente sollen ohne Tabus gehört und geäußert werden können. So ermöglichen wir es den durch die Debatte der letzten Jahre verunsicherten Menschen, sich besser und umfassender informieren zu können.
Ökowatch: Sie selbst sind Sozialwissenschaftler. Wie qualifiziert sind die Mitglieder Ihrer Organisation, sich in die Debatte um ein naturwissenschaftliches Thema wie den Klimawandel einzumischen?
Benny Peiser: Wir beschäftigen uns vorwiegend nicht mit den naturwissenschaftlichen Fragen der Klimawissenschaft. Unser Hauptaugenmerk sind wirtschaftliche, soziale und politische Fragen, darum heißen wir auch „Global Warming Policy Foundation“. Es ist nicht unser eigentliches Ziel, die grundsätzlichen wissenschaftlichen Argumente rund um das Thema Treibhauseffekt in Frage zu stellen. Mitglieder unserer Organisation kommen aus allen Bereichen dieser Debatte, sowohl Befürworter als auch Gegner der These einer durch menschliche Emissionen wie CO2 verursachten globalen Erwärmung gehören dazu. Wir sind keine klimaskeptische Organisation, sondern nehmen als Stiftung keine kollektive Position zu dieser Frage ein. Auch in unserem Wissenschaftsbeirat finden sich Vertreter unterschiedlicher Ansichten zu diesem Thema. Unsere Skepsis als Organisation richtet sich in erster Linie gegen von Regierungen vorgeschlagene Maßnahmen zum Klimawandel und die damit verbundenen Kosten.
Ökowatch: Ist es denn möglich, ökonomische und politische Empfehlungen abzugeben, ohne sich in der wissenschaftlichen Debatte auf einen bestimmten Standpunkt festzulegen?
Benny Peiser: Natürlich. Denn selbst wenn man den sogenannten IPCC-Konsens akzeptiert, folgt daraus keineswegs, dass man auch die Politik vieler Regierungen zum Klimawandel akzeptieren müsste, oft macht das wirtschaftlich überhaupt keinen Sinn. Die Frage danach, was Regierungen unternehmen sollten, ist unabhängig von der Frage der Klimawissenschaft. Je früher die Klimawissenschaftler erkennen, dass sie auf der Grundlage ihrer Ergebnisse keine Politik betreiben können, desto besser. Solche Maßnahmen müssen zunächst in ein Kosten-Nutzen-Verhältnis gebracht werden – und es zeigt sich auch bereits, dass viele Regierungen eben nicht den Ratschlägen der Klimawissenschaftler folgen, sondern denen ihrer wirtschaftlichen Berater.
Ökowatch: Können Sie ein Beispiel für eine Maßnahme zur CO2-Einsparung nennen, die auch unter der Voraussetzung, dass das CO2 tatsächlich so klimaschädlich ist, wie vom IPCC angenommen, trotzdem nicht sinnvoll ist?
Benny Peiser: Ja. Es macht zum Beispiel keinen Sinn, wenn Deutschland und Großbritannien einseitig eine Dekarbonisierungspolitik betreiben, wenn der Rest der Welt nicht mitmacht. Wenn man ein Interesse daran hat, CO2 zu mindern, müsste dies international geschehen. Ökowatch: Es gibt internationale Vereinbarungen wie das Kyoto-Protokoll.
Benny Peiser: Ja, aber es wurde nur von europäischen und einigen wenigen anderen Staaten unterzeichnet. Und selbst die europäischen Staaten sind nicht in der Lage, diese Dekarbonisierung umzusetzen, weil die Kosten einfach astronomisch sind. Wir müssen die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Politik berücksichtigen. Schwellenländer können sich gar nicht erlauben, da mitzumachen. Ökowatch: Müssten dann nicht die Industriestaaten darauf hinarbeiten, dass möglichst alle Länder das Kyoto-Protokoll oder vergleichbare internationale Vereinbarungen unterzeichnen?
Benny Peiser: Wenn man CO2 sparen will, ist das die Konsequenz, ja. Aber die Realität ist eine andere. Die Industriestaaten haben das bereits versucht und es ist völlig klar, dass die anderen Länder das nicht tun werden. Niemand glaubt mehr daran, dass China oder Indien in absehbarer Zukunft bereit sein werden, auf die billigen Energieressourcen zu verzichten oder sie zu begrenzen.
Ökowatch: Was wäre die Alternative?
Benny Peiser: Unsere Empfehlung ist, statt einer verfehlten Politik hinterher zu laufen, die nicht funktioniert, sich lieber auf den Klimawandel einzustellen. Wir sollten uns darauf einstellen, dass es in den kommenden 100 Jahren etwas wärmer wird. Niemand weiß, wieviel wärmer es wird, da gibt es unterschiedliche Positionen, aber mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es etwas wärmer. Einige Weltregionen werden davon profitieren, in anderen wird diese Erwärmung zu Problemen führen. Aber das sind keine Probleme, mit denen man nicht leben könnte, wenn man sich darauf vorbereitet.
Das ist ein ganz anderer Ansatz, der in meinen Augen sehr viel mehr Sinn ergibt als eine Emissionsreduktionsstrategie. Denn ganz egal, ob der Klimawandel menschengemacht ist oder nicht, und ganz egal, wie stark er ausfällt, Überschwemmungen, Stürme und ähnliches wird es immer geben, weshalb beispielsweise sturmfeste Häuser immer sinnvoll sind. Wenn Sie die Auswirkungen von Naturkatastrophen in Industriestaaten und in Entwicklungsländern vergleichen, werden Sie sehen, wie wichtig die Vorbereitung auf solche Situationen ist.
Ökowatch: Dennoch stellt sich gerade bei Entwicklungsländern, vor allem wenn diese ohnehin schon in sehr heißen Regionen wie Wüstenregionen gelegen sind, die Frage, wie sich eine weitere Erwärmung auf die landwirtschaftlichen Erträge auswirken würde, die für diese Länder sehr wichtig sind?
Benny Peiser: Dieses Problem besteht in der Tat, allerdings können auch hier mit technischen Fortschritten Verbesserungen erzielt werden. Bereits jetzt erleichtert der Einsatz der Grünen Gentechnik den Anbau von Pflanzen in Dürregebieten. Im schlimmsten Fall müssen einigen Regionen für die Landwirtschaft aufgegeben werden. Dafür werden andere Regionen nutzbar. Eine Politik, die sich darauf einstellt, könnte und sollte den besonders schwer getroffenen Ländern mit internationaler Hilfe zur Seite stehen.
Ökowatch: Zu einem anderen Thema: Sie haben die Befürchtung geäußert, dass übertriebene Aussagen über negative Folgen des Klimawandels eine neue Form des Terrorismus begünstigen könnten. Können Sie das näher erläutern?
Benny Peiser: Die Hysterie, dass wir vor einer Weltkatastrophe stehen, erzeugt ein apokalyptisches Bewusstsein, dass dem terroristischen Bewusstsein sehr ähnlich ist. Der Glaube daran, dass wir das Ende der Welt selbst herbeiführen, ist nicht nur in Religionen verbreitet und kann zu Radikalisierung führen. So entsteht ein schwarz-weißes Weltbild, mit der bösen Industrie auf der einen und denen als Heilige auftretenden Organisationen, die dagegen kämpfen, auf der anderen Seite.
Ökowatch: Haben internationale Umweltorganisationen einen Anteil an dieser Entwicklung?
Benny Peiser: Ja, weil sie dazu neigen, bestimmte Prognosen zu übertreiben. So stammte die unsinnige Behauptung, dass die Gletscher im Himalaya innerhalb von 25 Jahren völlig verschwinden würden, ursprünglich aus der Broschüre einer Umweltorganisation.
Ökowatch: Welche Gegenmaßnahmen schlagen Sie vor?
Benny Peiser: Das ist schwer zu sagen, weil normale Argumente, wenn die Hysterie sich ausbreitet, oft gar nicht mehr gehört werden.
Ökowatch: Ist es nicht allen Bedenken bezüglich Übertreibungen und Hysterie zum Trotz vernünftig, Emissionen einzusparen und in erneuerbare Energien zu investieren, um Ressourcen zu schonen?
Benny Peiser: Das Problem mit dieser Idee ist, dass die sogenannten erneuerbaren Energien derzeit doppelt oder dreimal so teuer sind wie die herkömmlichen. Wenn die Ressourcen knapper werden, werden die traditionellen Energieträger automatisch auch teurer, wodurch Alternativen konkurrenzfähiger werden, aber das künstlich herbeizuzwingen macht überhaupt keinen Sinn, denn so werden die Staaten, die dies tun, im internationalen Wettbewerb nicht mehr mithalten können. Es ist ja nicht nur die Energie selber, auch alle Produkte aus diesen Ländern werden teurer.
Ökowatch: Ist es aber angesichts einer möglichen Verknappung nicht sinnvoll, frühzeitig in die Entwicklung alternativer Technologien zu investieren, damit sie umso besser funktionieren?
Benny Peiser: Es wird sowieso Leute geben, die versuchen, alternativen Strom zu erzeugen. Wenn es aber von Regierungen angeordnet wird, wird wie gesagt die Konkurrenzfähigkeit ganzer Länder zerstört. Es wäre politisch und wirtschaftlich selbstmörderisch, sich so zu verhalten.
Ökowatch: Dennoch ist auch die Kernkraft massiv durch Regierungen gefördert worden.
Benny Peiser: Ja, aber das war keine energiepolitische Entscheidung. Ursprünglich war das rein militärisch. Und auch die Kernkraft ist immer noch sehr viel unwirtschaftlicher als fossile Energieträger und kommt nicht darum herum, mit staatlichen Subventionen gefördert zu werden.
Ökowatch: Wie also sollten wir unsere Energieversorgung organisieren?
Benny Peiser: Ich bin der Meinung, dass die Energieversorgung am besten funktioniert, wenn man den Markt entscheiden lässt. Man kauft die Energie, die für das jeweilige Land am günstigsten ist und die Regierung hält sich raus.
Ökowatch: Was wären darüber hinaus für Sie die wichtigsten Elemente eines wirklich nachhaltigen Umweltschutzes?
Benny Peiser: Vor allem wirtschaftliches Wachstum. Es ist ganz offensichtlich, dass die wohlhabendsten Länder sich auch den besten Umweltschutz leisten können. Und dieser Wohlstand entstand am ehesten in einer freien Marktwirtschaft.
Ökowatch: Auch in hoch entwickelten Staaten sind Auflagen zum Umweltschutz staatliche Eingriffe.
Benny Peiser: Natürlich. Ich bin nicht dagegen, dass der Staat zu Fragen der Umwelt und der Gesundheit bestimmte Gesetze erlässt. Was ich sage ist, das kostet Geld. Und nur wohlhabende Länder können sich das leisten.
Ökowatch: Herr Dr. Peiser, herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Fabian Heinzel
http://thegwpf.org/
(Foto: B. Peiser) |
Comments
Im großen Ganzen stimme ich mit Ihren Ansichten überein. Bezüglich der Kernkraft muss ich aber der Behauptung, dass auch da Subventionen hinfliessen, widersprechen. Natürlich ist die Kernenergienutzung in der Forschung staatlich subventioniert worden, jedoch ist nicht in der Breite z.B. eine durch ein dem unsinnigen EEGesetz vergleichbare Subvention gefördert worden. Wenn der Staat verpflichtet ist aus politischer Hysterie folgende immer höhere Auflagen und Blockaden bei der Entsorgung zu finanzieren, ist das nur normal.
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