Der “Sonnenrekord” am vergangenen Freitag hat die Stromverbraucher 56 Millionen Euro gekostet PDF Print E-mail
29.05.2012
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Autorenbeitrag von Rudolf Kipp

Am vergangenen Freitag konnte man sich vor den Jubelmeldungen in der Presse kaum retten. Von einem “Sonnenrekord” war da die Rede. Der Spiegel schrieb in seiner Online-Ausgabe: “Solarzellen liefern so viel Strom wie 20 Atommeiler”. Diese Aussage ist für sich genommen völlig unsinnig, schließlich suggeriert sie, dass man mit Photovoltaik 20 Kernkraftwerke ersetzen könnte.

Strom nur, wenn die Sonne scheint

Dabei zeigt schon ein Blick auf den Tagesgang der Einspeisung das größte Problem der Stromerzeugung mit Photovoltaik. Diese beschreibt eine Glockenkurve, die ihr Maximum um die Mittagszeit hat. In den Morgen- und Abendstunden fällt die Produktion deutlich geringer aus und nachts kann die Sonne naturgemäß überhaupt keinen Beitrag zur Stromerzeugung leisten (wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen).

Die folgende Grafik zeigt den zeitlichen Verlauf der PV-Stromeinspeisung vom vergangenen Freitag. Sie stammt von der Seite “Transparency in Energy Markets” die von den in Deutschland tätigen Netzbetreibern 50hertz, amprion, EnBw und Tennet betrieben wird. Dort kann man die Einspeisung auch als Datensatz mit viertelstündlicher Auflösung herunterladen.

Eine Auswertung dieser Daten ergibt, dass an diesem Tag in Deutschland insgesamt 189.243 MWh aus Photovoltaik eingespeist wurden. Nebenbei bemerkt hätten die vom Spiegel erwähnten 20 Kernkraftwerke im gleichen Zeitraum 528.000 MWh ins Netz einspeisen können. Oder weniger, wenn der Bedarf geringer wäre, etwa weil andere Einspeiser mit Vorrang im Netz gerade ungeplant Strom produzieren.

Strom aus Braunkohle oder Kernkraft hätte ein Zehntel gekostet

Diese 528 MWh hätten, wären Sie in Kernkraftwerken mit durchschnittlichen Stromgestehungskosten von 3,5 Cent pro kWh produziert worden, Kosten in Höhe von 18,5 Millionen Euro erzeugt. Für die am 25. Mai durch Photovoltaik erzeugten knapp 190.000 MWh hätten die Betreiber von Kernkraftwerken 6,6 Millionen Euro berechnet.

Der Strom von der Sonne, die ja bekanntlich keine Rechnung schickt, hat den Verbraucher jedoch gut 66 Millionen Euro gekostet, also das 10fache dessen, was man für die gleiche Leistung aus Kernkraftwerken (oder auch Kohle- oder Braunkohle-Kraftwerken) bezahlt hätte (ausgehend von einer durchschnittlichen Einspeisevergütung für Photovoltaikanlagen in Höhe von 35 Cent/kWh für das Jahr 2012, Quelle: Statista, Grafik links).

Wobei selbst das noch nicht ganz korrekt ist. Bei der konventionellen Stromerzeugung wird der Strom schließlich dann erzeugt, wenn er auch benötigt wird. Eine Leistung, zu der die Photovoltaik niemals in der Lage sein wird.

Geht man jetzt von mittleren Stromgestehungskosten von 5 Cent pro kWh aus, dann hat die Einspeisung von Photovoltaikstrom nur an diesem einzigen Tag die Stromverbraucher mit Mehrkosten von über 56 Millionen Euro belastet, die diese den Betreibern der Photovoltaik-Anlagen über die Stromrechnung bezahlen müssen.

Die wahren Kosten der Photovoltaik sind noch höher

Bei den 3,5 Cent pro Kilowattstunde, die die Betreiber von Kernkraftwerken uns berechnen, sind entgegen landläufiger Meinung die Kosten für den Rückbau der Meiler und auch die Kosten für die Endlagerung der abgebrannten Brennstäbe bereits enthalten. Nicht im Preis für den Photovoltaik-Strom enthalten sind hingegen die Kosten für den Ausbau der Stromnetze, die durch die Photovoltaik entstehen.  Ebenso wenig enthalten sind Kosten dafür, dass andere Kraftwerke als Backup vorgehalten werden müssen, weil die Sonne nicht konstant scheint.

Und wenn man den Strom aus Sonne (und auch aus Wind), wie es das Energiekonzept der Bundesregierung ja vorsieht, zu einem Hauptpfeiler der nationalen Stromversorgung ausbauen will, dann sind auch noch gigantische Stromspeicher erforderlich. Was für eine Kostenlawine dann auf den Verbraucher zukommt, das kann man heute noch nicht einmal ansatzweise abschätzen. Fest steht nur, sie werden gigantisch sein.

Dabei schnellen die Kosten für die Verbraucher bereits ohne diese zwingend erforderlichen Maßnahmen immer höher. Wie bereits früher dargelegt, wird die EEG-Umlage, die jeder Stromkunde über seine Rechnung bezahlt, in diesem Jahr von 3,5 auf 5 Cent pro kWh angehoben werden. Netz- und Speicherausbau und die seit neuestem diskutierten “Anreize” (=Subventionen) für den Neubau von inzwischen unrentablen Regelkraftwerken werden diese Entwicklung noch weiter beschleunigen.

Es zeigt sich zunehmend, dass die Energiewende nicht nur an der völligen Missachtung physikalischer Grundregeln scheitert, sondern auch an dem wachsenden Unmut der Bevölkerung, das alles über rasant steigende Strompreise zu finanzieren.

In geringfügig abweichender Version zuerst am 28. Mai 2012 bei Science Skeptical veröffentlicht

 

Comments  

 
# Peter Heller 2012-05-29 21:03
Der Text ist exzellent recherchiert und wirft ein bezeichnendes Licht auf die Medienberichterstattung zum "Solarstromhoch". Von mir stammt er aber nicht, sondern von Rudolf Kipp.
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# ökowatch 2012-05-29 21:12
Ist korrigiert!
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# Sebastian 2012-05-31 01:41
Guter Artikel. Interessant, dass gerade der Spiegel mal wieder durch besonders "korrekte" Berichterstattung hervor sticht!
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# Ayatollah Rodriguez 2012-06-01 14:42
Cmon. Seriously. Selbst als guter Republikaner kann man es auch so sehen: Die Sonne ist auf Dauer verlässliches Profitcenter. Gott betreibt einen wirkungsvollen Kernfusionsreaktor und lässt dessen Strahlungsenergie als charitable, fully tax deductable donation auf die Erde regnen. Dabei hat er bei der Konstruktion des Empfängerkörpers darauf geachtet, dass alle Erdteile einmal am Tag drankommen. Skandalöserweise ergibt sich dabei für die bundesdeutsche Elektrizitätswirtschaft nur ein beschränkter Tagesabschnitt als ergiebig, komischerweise als simple Normalverteilung um die Mittagszeit herum darstellbar. Da beschwert sich der Zuwendungsempfänger. Dumme Erde. Rotiert immer. Wir könnten doch einfach immer nur selber irgendwo im Reich schön riskante Kernspaltung machen und den Abfall irgendwo in Niedersachsen entsorgen, ohne jemals eine Haftpflichtversicherung für Produktion und Entsorgung bezahlt zu haben. Sonst verdienen unsere Wahlkampfspender ja weniger. Was macht der anständige Berufspolitiker dann? Revoke tax decuctability. Ach ja, geht ja gar nicht, Gott wohnt ja gar nicht in unserem Steuerbezirk. Dann machen wir wenigstens die Forschung platt, die Gottes Gabe einsammelt. Blöde Sonne. Scheint einfach weiter.
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# Nicolas 2012-06-01 15:26
"Für die am 25. Mai durch Photovoltaik erzeugten knapp 190.000 MWh hätten die Betreiber von Kernkraftwerken 6,6 Millionen Euro berechnet."
Ein sinnfreier Vergleich. Natürlich wird mit bereits abgeschriebenen Großkraftwerken betriebswirtschaftlich gesehen günstiger Strom produziert. Mein Müsli mache ich mir auch günstiger, wenn Milch und Cornflakes schon im Schrank stehen und ich nicht erst noch in den Supermarkt muss.
Mal ganz davon abgesehen, dass dieser Artikel Kosten für neue Stromnetze der Photovoltaik anlasten will(wtf?) und mich die Berechnung der Kosten für Atomstrom interessiert. Unsere Stromnetze würden auch ohne EE bald zusammenbrechen, da dafür einfach seit Jahrzehnten nicht mehr investiert wurde und der Stromverbrauch vorraussichtlich steigen wird.

"Bei der konventionellen Stromerzeugung wird der Strom schließlich dann erzeugt, wenn er auch benötigt wird. Eine Leistung, zu der die Photovoltaik niemals in der Lage sein wird."
Das ist ein Bullshit-Vergleich. Da wird einerseits ein kompletter Strommix mit der Photovoltaik verglichen. Natürlich wird die Photovoltaik niemals 100% des Strommix stellen. Aber ein Verbund aus Biomasse, Geothermie, Wasserkraft, Windkraft und Sonne (Photovoltaik und Solarthermie) wird dazu möglich sein.
Die ach so günstige Atomkraft ist auch nicht die Hauptsäule der Stromerzeugung, da sie nur grundlasttauglich ist. Für Mittel- und Spitzenlast müssen auch bei konventioneller Stromerzeugung Steinkohle- und Gasturbinenkraftwerke zugeschalten werden.
Es wird suggeriert, dass Photovoltaik blöd ist, weil sie nur für Spitzen- und Mittellast nutzbar ist. Mit der Argumentation kann ich auch Atom, Braun- und Steinkohle doof finden, weil die alle nicht spitzenlasttauglich sind. Und Gaskraftwerke sind auch blöd, weil sie zwar grundlastfähig sind, das aber ökonomischer Irrsinn wäre.
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# Rudolf Kipp 2012-06-04 10:54
@ Nicolas

Völlig richtig, ein abgeschriebenes Großkraftwerk kann Strom günstiger erzeugen, als die Photovoltaik in der Lage ist. Und auch ein neues Großkraftwerk kann Strom günstiger Erzeugen, als das mit Wind oder PV möglich ist. Und das allerbeste an der "konventionellen" Art der Stromerzeugung ist der Umstand, dass man den Strom sogar gezielt dann erzeugen kann, wenn dieser benötigt wird.

Im Gegensatz dazu hätten Sie mit der PV (und auch mit Wind) eine Stromproduktion, die sich nach dem Wetter richtet. Bei einem Stromnetz in das zu jeder Sekunde genauso viel Strom eingespeist werden muss, wie verbraucht wird, hat das weitreichende Konsequenzen.

Bis zu einem gewissen Grad können Sie regionale Wetterunterschiede dadurch ausgleichen, dass Sie den Strom quer durch die Republik transportieren. Etwa von der windreichen Küste in die Verbrauchszentren im Süden. Der hierfür erforderliche Netzausbau ist nur wegen der Windstromerzeugeung erforderlich.

Und auch die Stromproduktion mit PV erfordert einen Ausbau, diesmal der Nieder- und Mittelsspannungsnetze. Schließlich ist unser Stromnetz bislang für die Versorgung der Haushalte ausgelegt und nicht dafür dass in Spitzenzeiten (mittags im Sommer) ein vielfaches der bisherigen Leistung durchgeleitet werden muss.

Hinzu kommt, dass bei einem weiteren Ausbau unbedingt Speicher erforderlich sind. Wir haben bereits jetzt so viel Kapazität an Wind (29 GW Peak) und Sonne (22 GW Peak) installiert, dass an einem sonnigen und windigen Tag am Wochenende mehr Strom produziert werden kann, als benötigt wird. Dieser müsste dann gespeichert werden.

All die geschilderten Umstände verursachen Kosten, die ohne den Ausbau der "Erneuerbaren" nicht entstanden wären, sind also wenn man korrekt ist, diesen hinzuzurechnen. Man kann vor diesen Tatsachen die Augen verschließen. Das ändert aber nichts daran, dass diese Probleme vorhanden sind und sich bei einem weiteren Zubau an Wind und PV weiter verstärken werden.

Herzlichst,
Rudolf Kipp
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# Heinz Eng 2012-06-05 21:00
Die Sonne schickt keine Rechnung.......ähmm, warum müssen wir Deutschen denn inzwischen 3,5 C/kWh EEG-Abgabe blechen?

Falls es einer der hiesigen Stromlaien noch nicht bemerkt hat, wir haben auch eine eine "Abendspitze" die so zirka ab 17:45 beginnt, je nach Jahreszeit, wir haben im Winter kaum Sonnenstrom , wollen aber trotzdem Licht im Stübchen......na, klickert es im Oberstübchen?

Also, um es nochmals deutlich an den Mann/Frau zu bekommen, der Artikel von olle Rudi ist perfekt.......wer das Gegenteil beweisen will, sollte mit echten Zahlen argumentieren und nicht nur die Zeilen-Entgelder einstecken.
Onkel Heinz........Die Wand, an den reihenweise Ökos zerschellen
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# T 2012-06-09 18:08
Guter Artikel,
"Eine Auswertung dieser Daten ergibt, dass an diesem Tag in Deutschland insgesamt 189,243 MWh aus Photovoltaik eingespeist wurden." Sollten es nicht eher 189.243MWh sein ? ;)
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# Rudolf Kipp 2012-06-10 14:15
@ T

Vielen Dank,
Sie haben natürlich Recht, es sollte 189.243MWh heißen.
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# Martin 2012-10-18 19:23
Meines Wissens läßt sich die erzeugte Energie bei Dampf-Kraftwerken jeglicher Bauweisse, eben nicht an den Bedarf anpassen. Sie laufen immer auf dem Maximum. Genauso wenig lassen sie sich kurzfristige Abschalten. Abgeschaltet wird nur im Fall von Defekten.

Überschüssig produzierte Energie wird, im günstigsten Fall, mit miserabelem Wirkungsgrad, z.B. in Pumpspeicher - Kraftwerken gespeichert.
Schlimmstenfalls wird sie, an Ort und Stelle, in "Abwärme" umgewandelt.

Bezahlt wird sie, ohne Frage, von uns allen.
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