Palmöl-Studie untermauert Zweifel an Nachhaltigkeitsbewertung von EU-Richtlinie PDF Print E-mail
21.09.2011
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Autorenbeitrag von Steffen Hentrich

 

Ein wichtiges Standbein der Klima- und Energiepolitik der Europäischen Union ist die Nutzung von Biokraftstoffen. Doch in den vergangenen Jahren ist die Nutzung der Biomasse ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Neben dem Problem der Flächen- und Nahrungskonkurrenz äußerten Wissenschaftler und Umweltverbände immer wieder Zweifel an der Klimaschutzwirkung der Biokraftstoffnutzung.

 

Auf diese Einwände reagierte die Europäische Kommission mit einer Integration von Nachhaltigkeitsstandards für Biokraftstoffe in die Richtlinie zur Erneuerbaren Energie (Renewable Energy Directive – RED). Wollen die einzelnen Mitgliedsstaaten ihre Ziele erreichen, können sie nur nachhaltige Biokraftstoffe anrechnen.

 

Wie sich jedoch bald herausstellen sollte, sind die für die Bewertung herangezogenen ökobilanziellen Standardwerte außerordentlich umstritten. Es besteht kein Zweifel, dass mit der vagen und verzerrenden Formulierung der Nachhaltigkeitsstandards Investitionen in der Biokraftstoffindustrie blockiert werden.


Vor allem internationale Hersteller, wie Sojabohnenproduzenten in den USA, die Hersteller von Zuckerrohr in Brasilien und Palmöllieferanten aus Malaysia und Indonesien sowie europäische Importeure und Verbraucher dieser Produkte haben Grund zur Klage: Die Mängel in der Berechnungsmethodik der Ökobilanzen deuten darauf hin, dass es mit der Wettbewerbsneutralität der EU-Richtlinie nicht zum Besten gestellt ist.

 

Mehr Klarheit in diesem Streit könnte eine neue von der Friedrich-Schiller-Universität Jena und dem Max Planck Institut für Ökonomik herausgegebene Studie der Ökonomen Gernot Pehnelt und Christoph Vieze bringen. Mit ihrer „Neuberechnung der Standardwerte für Palmöl“ widmen sie sich den besonders umstrittenen Biokraftstoffen aus Palmöl.

 

Palmöl steht seit geraumer Zeit auf der Abschussliste von Umweltorganisationen, deren breit angelegte Kampagnen die Palmölproduzenten immer wieder Negativschlagzeilen einbrachten. Aufbauend auf vorangegangenen Untersuchungen aktualisierten die Autoren ihre Berechnung des Einsparungspotenzials der Treibhausgasemissionen für Biodieselkraftstoff auf  Basis von Palmöl, mit dem Ergebnis einer noch präziseren Beurteilung des Kohlenstoff-Fußabdrucks von Palmöl.

 

Unter Verwendung der Hintergrunddaten des Joint Research Centers der Europäischen Kommission und anderer aktueller Veröffentlichungen zur Palmölproduktion zeigen die Autoren, dass nicht nur die Kritik der Umweltverbände an der ökologischen Qualität des Palmöls überzogen ist, sondern auch die Treibhausgas-Einsparwerte der EU viel zu niedrig ausgewiesen sind.

 

Das tatsächliche Einsparungspotenzial für Biomasse auf Palmölbasis liegt sowohl für die Elektrizitätserzeugung als auch die Transportkraftstoffverwendung weit über dem Standardwert der EU-Richtlinie von 19 %. Auch der Schwellenwert von 35 % wird überholt. Während die Verstromung von Palmöl-Rohmaterial Standardwerte von 52 % ergibt, lassen sich im Transportsektor durch die Verwendung von Biodiesel aus Palmöl zwischen 38,5 und 41 % Treibhausgasemissionen gegenüber der Verwendung fossiler Energieträger einsparen.

 

Dieses Ergebnis erhärtet die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Nachhaltigkeitskriterien der EU-Richtlinie. Die Standard- und Schwellenwerte der Richtlinie, mit deren Hilfe über den Marktzutritt unterschiedlichster Biokraftstoffe auf den europäischen Energiemarkt entschieden wird, gehören daher unbedingt auf den Prüfstand.

 

Andernfalls dürfte sich die Kommission noch stärker als bisher dem Verdacht ausgesetzt sehen, dass die Nachhaltigkeit von Biokraftstoffen nicht viel mehr als ist als ein Deckmäntelchen für Handelsdiskriminierung und obendrein der künstlichen Einschränkung kostengünstiger Treibhausgas-Vermeidungsoptionen dient.

 

Auch bei den Umweltorganisationen erscheint angesichts der neuen Forschungsergebnisse ein Umdenken dringend angeraten, soll verhindert werden, dass eine Kritik am Palmöl auf Basis falscher Prämissen die wirtschaftliche Entwicklung in den Erzeugerländern behindert und der Wirtschaft dauerhaft Optionen im Klimaschutz raubt.

 

 

Dieser Artikel wurde zuerst bei Dow Jones Deutschland veröffentlicht

 

 

Siehe auch: Ökowiki-Eintrag "Palmöl"

 

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