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Plastiktüten stehen schon seit geraumer Zeit auf der Abschussliste der EU, wofür Brüssel vom BUND kräftig applaudiert wird. Die Umweltorganisation rechnet vor, dass mit dem durchschnittlichen Verbrauch von rund 500 Plastiktüten pro Jahr jeder Europäer zu einer „inakzeptablen Ressourcenverschwendung und zur Umweltverschmutzung“ beiträgt. Plastiktüten würden in der Natur landen und dort Land- und Meereslebewesen gefährden und töten, über die Nahrungskette würden giftige Chemikalie wie gefährliche Weichmacher aus dem Kunststoff bei uns wieder auf dem Teller landen. Aus diesem Grund fordere man ein Verbot der kostenlosen Abgabe von Plastiktüten. Zudem solle geprüft werden, ob nicht Mindestabgabepreise für Plastiktüten ein effektives und sinnvolles Instrument seien, den Verbrauch von Plastiktüten entscheidend zu vermindern. Aber auch eine Rohstoff-Steuer für die Ausgangsmaterialien zur Herstellung der Plastiktüten könne sich der BUND vorstellen. Ein generelles Verbot sei zwar derzeit nicht sinnvoll, scheint aber laut Überschrift des Beitrags auf der BUND-Homepage als Handlungsempfehlung nicht völlig ausgeschlossen. Als Alternative empfiehlt der BUND die Verwendung von Stoffbeuteln, da nur diese weg von der herrschenden Wegwerfmentalität führen würden.
Ohne Zweifel gibt es Fälle, in denen die Vermüllung der Natur zu einer Gefahr für Mensch und Tier wird. Nur stellt sich die Frage, ob der Beitrag europäischer Plastiktüten zu diesem Problem überhaupt bedeutsam ist bzw. der Beitrag der Plastiktüten in jedem europäischen Land relevant oder gleichermaßen groß ist. In Deutschland zum Beispiel landen die Plastiktüten vor allem im Hausmüll und werden dort in erster Linie der thermischen Abfallverwertung zugeführt. Daher stellt sich die Frage, weshalb der BUND eine Regulierung der Abgabe von Plastiktüten europaweit mit Problemen begründet, die in den EU-Mitgliedsstaaten nicht oder zumindest nicht in hohem Umfang auftreten. Zudem spielen sich Bedenken, dass chemische Bestandteile von Plastiktüten über die Nahrungskette wieder im Essen der EU-Bürger landen, ganz eindeutig im Bereich der Umwelthomöopathie ab, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass die niedrige Konzentration giftiger Chemikalien in handelsüblichen Plastiktüten einen direkten Verzehr erlauben würde, wenn die Tüten nicht von Natur aus für den Menschen schwer bekömmlich wären. Für eine pauschale ökologische Bepreisung von Plastiktüten gibt es daher aus Gründen des Naturschutzes, aber auch des Gesundheitsschutzes keinen Handlungsdruck. Auch aus der Perspektive des Ressourcenschutzes gehen die Forderungen des BUND am Ziel vorbei. Schließlich sind die Ressourcenkosten der Plastiktüten vor dem Inverkehrbringen durch die Händler bereits entgolten worden und über die Produktionskosten der Produkt-Dienstleistungskette in die Endverbraucherpreise eingegangen. Sollten die Rohstoffe der Plastiktütenherstellung also knapp sein, dann haben Hersteller und Verbraucher dafür schon bezahlt. Vor allem die Händler haben daher allen Grund, sich genau zu überlegen, ob es im Interesse ihrer Gewinnmaximierung überhaupt sinnvoll ist, ihren Kunden den Transport in Plastiktüten gratis anzubieten. Eine Rohstoff-Steuer erzeugt also eine künstliche Knappheit, die faktisch überhaupt nicht besteht und damit nur zu Lasten der Anbieter und Nachfrager der Tüten gehen kann. Tatsächlich sind die vom BUND gepriesenen Baumwollbeutel keineswegs per se ökologisch vorteilhafter als die geschmähten Plastikbeutel, sondern lediglich dann, wenn sie mehrfach verwendet werden. Erst ab einer zehnmaligen Wiederverwendung, so eine Studie der Swiss Federal Laboratories for Material Testing and Research an der ETH Zürich, wird die Baumwolltasche ökologisch interessanter als eine Plastiktüte, und das auch nur dann, wenn man ansonsten konsequent auf eine Mehrfachbenutzung von vorhandenen Plastiktragetaschen verzichtet hätte. Diese haben bei Mehrfachbenutzung in Sachen Umweltschutz die Nase ganz klar vorn, schneiden sogar besser als die ebenfalls ökologisch als mustergültig geltende Papiertüte ab. Letztere verdient dieses Urteil auch nur, wenn sie ebenfalls mehrfach verwendet wird. Entscheidend für den „ökologischen Rucksack“ sind der Herstellungsaufwand und der Verbrauch von Rohstoffen, also Eigenschaften, die sich in aller Regel bereits im Preis zeigen. Wer ökologisch korrekt einkaufen möchte, der muss sich nur ökonomisch rational verhalten und den gratis oder für ein paar Eurocent erworbenen Plastikbeutel gleich mehrfach verwenden. Man spart sich damit die Kosten für die deutlich teurere Baumwolltasche oder den höheren Aufpreis für eine Papiertüte und schont die Umwelt. Auf gute Ratschläge und Regulierung, die am Ziel vorbeigeht, kann man dann getrost verzichten.
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Comments
Dann haben sich die Bioläden organisiert, die Food-Coops erfolgreich bekämpft und sind mit der chemischen Industrie ins Bett gegangen.
Öko-Realität 2011: Bei jedem Besuch im Bioladen wird mir eine Plastiktüte angeboten, an der Kasse bei den Kinder-Zucker-Nasch-Öko-Verführungssachen habe ich schon fünf E-Zusätze entdeckt...
(Hausverbot weil ich eine Diskussion an der Kasse angefangen habe, soviel dazu...)
Ich habe schon Bioläden entdeckt die überhaupt keine Papiertüten mehr haben, das gesamte Sortiment ist brav in Plastik gehüllt, sogar Kindergetränke aus Plastikflaschen...
Hormone aus der Plastikflasche
http://www.tagesschau.de/inland/wasserflaschen100.html
Über diesen Satz habe ich mich am meisten geärgert, darum überhaupt ein Kommentar:
"Tatsächlich sind die vom BUND gepriesenen Baumwollbeutel keineswegs per se ökologisch vorteilhafter als die geschmähten Plastikbeutel, sondern lediglich dann, wenn sie mehrfach verwendet werden..."
Jede Plastiktüte ist Umweltverschmutzung, egal wie oft sie getragen wird.
Jeder Stoffbeutel ist ökologisch, egal wie oft er getragen wird.
Als wenn das Tragen etwas mit Ökologie zu tun hat...
Das ist wie die Klimaerwärmung und der Anstieg der Piraten, hier eine Grafik ;)
http://i2h.de/b0t01
Die Swiss Federal Laboratories for Material Testing and Research trallala erspart das eigene Denken.
Es fehlt nur noch ein schöner Doktorname und schon glaube auch ich dieser Studie... ;)
PLASTIC PLANET - Ein Film von Werner Boote
http://youtu.be/DoNu8hTOBag
http://www.youtube.com/watch?v=kO_kuNZ_KBc
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