Warum Deutschland schon zu viel Klimaschutz betreibt PDF Print E-mail
24.01.2011
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Autorenbeitrag von Steffen Hentrich

 

Im April letzten Jahres äußerte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel anlässlich einer Rede zur Verleihung der King Charles II Medal der Royal Society am 1. April 2010 in London folgendermaßen zum Stern-Report, dem Klimaschutz-Regierungsreport, der bei seinem Erscheinen im Jahr 2006 von Klimaaktivisten ebenso begrüßt wurde, wie er in der Wissenschaftsdebatte die Gemüter erhitzte:

Der Stern-Report war deshalb so wichtig, weil er die Frage einmal ganz anders gestellt hat, nämlich nicht, was passiert, wenn wir etwas tun, und wie viel uns das kostet, sondern was passiert, wenn wir nichts tun. Indem man diese beiden Varianten gegenüberstellt – also was auf der einen Seite passiert, wenn wir etwas tun, und wie teuer das ist, und was auf der anderen Seite passiert, wenn wir nichts tun, und was uns das kostet –, bekommt man ein viel besseres Gefühl für die Dringlichkeit der Aufgaben, die vor uns liegen.


Quintessenz des Stern-Reports war, dass, ausgehend von einer Worst-Case-Annahme über die Wirkung der Treibhausgasemissionen auf den Klimawandel, die Klimafolgeschäden von Kohlendioxid so hoch wären, dass sie einen Schaden von rund 85 US-Dollar, also umgerechnet 64 Euro pro Tonne verursachen. Diese Zahl ernst genommen, so wie es ja im obigen Zitat die Bundeskanzlerin fordert, betreiben wir in Deutschland also in vielen Bereichen schon zu viel Klimaschutz, weil die Abgabenlast auf Emissionen diesen Wert oft übersteigt. So liegt die steuerliche Belastung von Kraftstoffen hierzulande bei 179 Euro (Diesel) bzw. 273 Euro (Benzin) - ohne Mehrwertsteueranteil! -, aber auch beim Erdgas als Kraftstoff ist mit 68,50 Euro pro Tonne Kohlendioxid Sterns Forderung schon erreicht. Bei anderen Brennstoffen liegt zwar die steuerliche Belastung zumeist noch deutlich unter den 64 Euro von Nicholas Stern (3 bis 60 Euro), doch kommt hier bis auf das Heizöl zur Heizung mit rund 23 Euro pro Tonne Kohlendioxid die Kostenbelastung des Emissionshandels mit rund 15 Euro pro Tonne noch hinzu (Quellen: Hans-Werner Sinn: Das grüne Paradoxon, S. 131; EEX). Auf die bis über 1000 Euro pro Tonne Kohlendioxid verlangten Kosten durch die Förderung der Erneuerbaren Energieträger, deren Einspareffekte durch den Emissionshandel gleich wieder zunichte gemacht werden, sei hier auch ebenso hingewiesen, wie auf die enormen Vermeidungskosten, die wir uns durch die Förderung von allerlei Subventionen für Erneuerbare Energieträger im Wärmebereich und Energieeffizienzmaßnahmen einhandeln.

Deutschlands Verbraucher zahlen demnach pro Tonne Kohlendioxid meist soviel wie der Stern-Report von Ihnen verlangt, und häufig noch weit mehr. Dementsprechend haben sie auch ihr Verbrauchsverhalten schon längst an die Kosten des Klimawandels angepasst. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob die Abgabenbelastung sich nun Ökosteuer nennt oder einfach nur in Form einer beliebigen anderen Abgabe oder Steuer anfällt. Entscheidend ist, dass die Bürger für die Energieträger einen Preis zahlen, der sowohl den Marktpreis als auch die von Stern bezifferten „externen Kosten des Klimawandels“ deckt. Mehr ist nicht nötig, denn es würde bedeuten, dass wir mehr als die Kosten der Produktion bezahlen und mehr, als wir an Schaden anrichten. Wenn wir Frau Merkel also bei ihrem Wort über den Stern-Report nehmen und genau hinschauen, was wir uns die Kohlendioxidminderungen derzeit kosten lassen, dann können wir konstatieren, dass wir sogar schon mehr Klimaschutz betreiben, als von besonders alarmistischen Wissenschaftlern empfohlen wird. Legen wir wesentlich nüchternere Schätzungen zu den Grenzschäden der Kohlendioxidemissionen zugrunde, wie etwa die Zahlen aus der Sammlung von Modellergebnissen von Richard Tol, und gehen von $18 pro Tonne Kohlenstoff, also 13,5 Euro pro Tonne Kohlenstoff bzw. 3,7 Euro pro Tonne Kohlendioxid aus, dann wird hierzulande schon lange zu viel Klimaschutz betrieben. Also höchste Zeit, sich zurückzulehnen und mal wieder über die Prioritätensetzung in der Politik nachzudenken.

Lesetipp: Über diese und ähnliche Fallstricke in der Umweltpolitik erfahren Sie mehr in dem neuen Buch von Tim Worstall: "Chasing Rainbows: How the Green Agenda Defeats its Aims"

 

Beitrag ursprünglich erschienen auf dem "Blog des Liberalen Instituts"

 

Comments  

 
# richter 2011-02-02 20:57
Wie "krank" diese ganze Verrechnerei ist, kann man mit einem einzigen Satz begründen:
Es gibt keine vom Menschen verursachte Klimaerwärmung-Folglich kann die ganze verlogene C02-Spinnerei zu den
Akten gelegt werden und wir führen wieder ein ganz normales Leben und das auch noch mit Glühbirnen die nicht die Umwelt vergiften !
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