"Kein einziger Fall von nachgewiesenen Schädigungen bekannt" - Interview mit Klaus Ammann PDF Print E-mail
9.11.2010
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Klaus Ammann

Der Schweizer Botaniker und emeritierte Universitätsprofessor Klaus Ammann sieht in Gentechnik und Biotechnologie eine große Chance für eine ökologischere Landwirtschaft.  Im Interview mit Ökowatch erläutert er, warum er eine Ablehnung der Grünen Gentechnik für einen Irrweg hält und wie sie die Ernährungssituation vieler Länder verbessern könnte.


Ökowatch: Herr Professor Ammann, seit wann manipulieren Menschen die Gene von Pflanzen?

Klaus Ammann: Seit dem Beginn der Landwirtschaft, also seit Jahrtausenden. Seit etwa 30 Jahren hat man nun gelernt, gezielt in die Genome einzugreifen, seit wenigen Jahren auch kann man das so tun, dass nachher keine Spuren zurückbleiben, dann spricht man von einer in-vivo-Mutation.

Ökowatch: Welche Auswirkungen auf Mensch und Umwelt hat das bisher gehabt?

Klaus Ammann: Die Biodiversität hat klar unter der konventionellen Landwirtschaft gelitten, direkte Auswirkungen der Transgene von Gentech-Kulturpflanzen sind aber keine bekannt geworden, auch die Sicherheit der Nahrungsmittel, die aus Gentech-Pflanzen hergestellt werden, ist voll gewährleistet, es ist kein einziger nachgewiesener Fall von Schädigungen bekannt geworden, der einer  kritischen und vor allem streng wissenschaftlichen Analyse standgehalten hätte.

Ökowatch: Inwieweit können wir gesundheitliche Gefahren neuer Technologien im Vorfeld überhaupt einschätzen?  Vielleicht zeigen sich die Probleme erst nach Jahren?

Klaus Ammann: Es gibt schlicht hunderte von Untersuchungen, und bisher hat sich nichts Ernsthaftes gezeigt, Ausnahmen sind schlechte Studien mit fragwürdigen statistischen Ansätzen und schlecht geplanten und durchgeführten Experimenten, die sich nicht an international vereinbarte Untersuchungs-Protokolle halten.  Klassische Beispiele und immer noch beliebte Zitat-Autoren der Gentechnik-Opponenten sind Seralini und Pusztai, beide Autoren publizierten Texte, die aber allesamt gründlich widerlegt und deren Ergebnisse auch von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA verworfen wurden.

Ökowatch: Trotzdem hat die Grüne Gentechnik den Ruf einer gefährlichen Technologie, die die Artenvielfalt, die Welternährung gefährdet, Bauern von einigen wenigen Saatgutherstellern abhängig macht und so zumindest indirekt für Selbstmorde unter indischen Bauern verantwortlich ist?

Klaus Ammann: Was für eine tendenziöse Frage, denn genaue Statistiken haben gezeigt, dass die tragischen Bauernselbstmorde Jahrzehnte vor der Einführung der Gentechnik in Indien leider immer wieder vorkamen, und es gibt Publikationen, die zeigen, dass seit der Einführung der Gentech-Baumwolle die Selbstmorde zurückgingen. Und die Abhängigkeit von modernem Saatgut-Kauf ist von der überwältigenden Mehrheit von Groß- und Kleinbauern gewünscht, da dies wesentlich bessere Erträge liefert.

Ökowatch: Sie sind unter anderem dafür kritisiert worden, in einem vom Saatgut-Hersteller „Monsanto“ produzierten Video aufgetreten zu sein.  Vertreten Sie einfach nur Lobby- und Konzerninteressen?

Klaus Ammann: Für diesen Film habe ich kein Honorar erhalten, und ich erzähle dort nur, was ich auch sonst bei allen Vorträgen sage. Und ich bin gegen die Verteufelung von Saatgutfirmen, bei Monsanto z.B. arbeiten ausgezeichnete Wissenschaftler, und in Sachen Publikationen in renommierten Zeitschriften ist diese Firma Weltspitze.

Ökowatch: Trotzdem fällt auf, dass kein anderer Konzern im Bereich Biotechnologie so dominant ist wie Monsanto.

Klaus Ammann: Auch das stimmt nicht, oder höchstens in den  Medien.  Syngenta ist als Firma schlicht größer.

Ökowatch: Firmen wie diese aus dem Bereich der Biotechnologie sind weltweit tätig.  Welche Rolle spielt Grüne Gentechnik bisher in Entwicklungs- und Schwellenländern und welche in Industrieländern?

Klaus Ammann: Eine sehr wichtige Rolle spielt die Gentechnik in China und Indien. In Afrika sind private Firmen höchstens mit wenigen Prozenten beteiligt. Und gerade Entwicklungsländer könnten ihre Ernährungssituation mit Hilfe der Gentechnik verbessern. Allerdings sollte die öffentliche Forschung gefördert werden, leider sind die  Konzerne im Vorteil, wenn es darum geht, die Neu-Entwicklungen bewilligen zu lassen, was in der Regel viele Millonen Dollar kostet.

Ökowatch: Welche Innovationen dürfen wir in Zukunft im Bereich Biotechnologie erwarten?

Klaus Ammann: Es wird zu einer Revolution in verschiedener Beziehung kommen: Mehr Präzision in der Einfügung von Transgenen, in Vivo-Mutation (Zink-Finger Technologie) usw. Schon heute geht es nicht nur um ca. 15 bekannte Transgene, die in die Kulturpflanzen eingebracht werden können, sondern es stehen viele Genome von den meisten wichtigen Kulturpflanzen zur Verfügung, das wird das Spektrum neuer Kulturpflanzen enorm erweitern. Für die Erhärtung dieser Aussagen kann ich eine reiche, in den renommiertesten Zeitschriften publizierte Literatur zitieren. Aber es ist das meiste zitiert in meinen bisher 11 Beiträgen des Blogs ASK-FORCE. Ich bin bereit, jede meiner Aussagen mit viel wissenschaftlicher Literatur – publiziert in den renommiertesten Zeitschriften, zu belegen.

Ökowatch: Herr Professor Ammann, vielen Dank für dieses Interview.

Das Interview führte Fabian Heinzel

 

 

 


Informationen zum Interview:

http://www.ask-force.org/web/ASK-FORCE-Summary/ASK-FORCE-Summary.pdf

Ammann, K. (2004): Die Risikodebatte zur grünen Gentechnologie und neue Lösungswege. In Kursbuch Biopolitik, 1. Auflage (Hrsg. A. Mietzsch), SS. 18-25. BIOCOM AG, Berlin 

http://www.botanischergarten.ch/Berlin/Biopolitik-Risikodebatte.pdf

Ammann, K. (2005): Die unerträgliche Leichtigkeit des Halbwissens, The unbearable lightness of partial knowledge, L'insoutenable légèreté du demi-savoir, Neue Zürcher Zeitung 5. Nov. 2005, S. 4.

Original article in German see http://www.botanischergarten.ch/Moratorium/NZZ-Halbwissen-publ.pdf

Gruss, A. & Ammann, K. (2008): Balance zwischen Risiko und Nutzen, Grüne Biotechnologie birgt große Chancen, vorausgesetzt man betreibt sie richtig, Chemie Manager 23. Oktober 2008.
Im Jahr 2007 bauten weltweit 55 Mio. Landwirte auf rund 114 Mio. ha gentechnisch veränderte Pflanzen an. Der Weltmarkt für gentechnisch verändertes Saatgut wuchs in den vergangenen 12 Jahren von 0,11 Mrd. auf 6,9 Mrd. US$ im Jahr 2007. Trotz oder gerade aufgrund des hohen Marktwachstums werden die Risiken und der Nutzen grüner Biotechnologie in der Landwirtschaft weltweit kontrovers diskutiert. Dr. Andrea Gruß sprach darüber mit Prof. Klaus Ammann, ehemaliger Direktor des Botanischen Gartens in Bern und Professor an der Delft University of Technology.  SS. 1-2 (Chemie Manager Article)
http://www.botanischergarten.ch/Presse/Gruss-Ammann-ChemManager20081021.pdf

Ammann, K. (2002): Risikoforschung - Mythen, Fakten, Zukünftige Entwicklung, Vortrag an der Akademie in Goettingen. Akademie-Journal, 1,  SS. 35-38

http://www.ask-force.org/web/Myths/Ammann-Risikoforschung-Fakten-Mythen-2002.pdf

 

Comments  

 
# Bibliothekar 2010-11-09 19:06
Danke Herr Ammann und Herr Heinzel für dieses interessante Interview.

Gerade wollte ich mich ein wenig mit dem angebotenem Lesestoff beschäftigen, mußte aber feststellen, daß die meisten Links ins Leere laufen. Geübte kommen über den 1.Link auch an viel Lesestoff, aber gedacht war es so sicher nicht.

Beste Grüße B.
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# Klaus Ammann 2010-11-10 17:52
Lieber Bibliothekar, der link aus dem Kursbuch funktioniert jetzt, das Dokument war schlicht nicht auf dem Server, jetzt ok. Die anderen Links sind aus irgend einem Grund nicht aktiv, also einfach kopy-paste in den Browser, dann kommen die Dokumente. Und die ganze ASK-FORCE - liste ist ja ok, aber jetzt auch mit den letzten, erneuerten Texten ersetzt.
Danke für das Interesse, Klaus Ammann
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# Bibliothekar 2010-11-10 22:52
Lieber Herr Ammann,

ich bedanke mich ganz herzlich für den fundierten Lesestoff und werde mich Text für Text durcharbeiten, was für mich als Nicht-Naturwissenschaftler eine harte Arbeit darstellt.

Ich mache mir aber auch keine Illusion darüber, ob der grünen Gentechnik mit einer Diskussion weitergeholfen werden kann. Ist doch die Situation ähnlich festgefahren, wie bei der Nutzung der Kernenergie. Es zählen Standpunkte und leider nicht Sachstände und Argumente. Ein sogenannter "Beweis" ist für keine Seite zu erbringen.

Betrachte ich aber den Siegeszug der grünen Gentechnik im internationalen Maßstab, werden sich diejenigen Staaten der EU, die diese Technik ablehnen nicht auf Dauer isolieren können. Sie wird sich schlichtweg einfach durchsetzen, weil sie einen enorm hohen Grad an wissenschaftlicher Begleitung aufweist, ökonomische Vorteile bringt und zur Lösung dringender globaler Probleme in der Lage ist. Letztendlich geht es um die Frage, will man die Ernährungsprobleme mit einer Verstärkung des Angebotes lösen oder die Nachfrage an Nahrungsmitteln verringern? Bei der zweiten Variante erhält man leider keine konkreten Antworten und Vorschläge zur Realisierung, verständlicherweise.

Selbst Forderungen nach einer Reduzierung der Menschheit auf 500 000 000 bis 2 000 000 000 bis zum Jahre 2100 wurden schon geäußert. Dafür reicht dann wohl die Landwirtschaft des 19.Jahrhunderts oder die, der daraus abgeleiteten Ideen des frühen 20.Jahrhunderts all Rudolf Steiner.

Lieber Herr Ammann, ich hoffe Sie gehen noch lange nicht in den echten und sicher verdienten Ruhestand.

Beste Grüße B.
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# Klaus Ammann 2010-11-12 13:24
Lieber Bibliothekar, danke für die guten Bemerkungen. Zium Bevölkerungs-Problem habe ich auch eine eigene Meinung: ich glaube, dass es sogar unethisch und unwissenschaftlich ist, von Überbevölkerung zu sprechen, dazu gibt es einige bedenkenswerte Fakten: Viele Leute haben die falsche Vorstellung, dass bereits physisch zuviele Menschen auf dieser Erde leben, aber:
1. Die ganze Menschheit lässt sich immer noch auf dem Bodensee versammeln (natürlich mit absurden, unlösbaren Problemen zuhauf)
2. Die amerikanische Weizenproduktion würde wohl immer noch ausreichen, um die Weltbevölkerung zu ernähren, aber auch hier haben wir natürlich absurde Probleme zuhauf, ich zähle sie gar nicht auf.
3. Es gibt eine Studie, die sorgfältig berechnet, wieviel Platz die Menschheit breuchen würde, könnte man alles ideal organisieren (Ernährung, Freizeit usw.) aber leider gehörchen die Menschen ja nicht bei solch inhuman diktatorischen Bedingungen uw.
mit diesen eigentlich unrealistischen Beispielen möchte ich nur zeigen, dass es eine Frage der Innovation, der hunmanen Organisation ist, mein Beispiel zu einer nachhaltigen Welt grafisch in folgendem blog zu Biodiversität:
http://www.ask-force.org/web/AF-11-Biodiversity/AF-11-Biodiversity-Biotechnology-20100715-opensource.pdf

und zum Schluss: Seien Sie beruhigt, ich fühle mich noch lange im UNRUHESTAND, Ihr Klaus Ammann
bin natürlich für jede kritische Bemerkung dankbar, denn wenn man nicht mehr lernen will, ist es besser, abzutreten und zum Schluss noch ein schönes Wort von Seneca: der Handelnde ist Weiser als der Wissende...
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# Maike 2010-11-11 19:53
Danke für den interessanten Artikel und die Links - so etwas hatte ich eigentlich schon vermutet, es passt ja ins bekannte Bild: Industrie ist böse, altes Handwerk ist gut.
Da könnte eine neue Entwicklung bei geringem Gesundheitsrisiko die Nahrungsversorgung der Welt vebessern - aber stattdessen wir sie pauschal verteufelt.
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# Klaus Ammann 2010-11-12 13:29
Liebe Maike, danke, und ja, wir sind alle keine Heiligen, auch die Industrie nicht, aber die Verteufelung, die da gegenseitig stattfindet, ist einfach sinnlos, es wäre besser, einen friedlichen Dialog zu initiieren, so z.B. zwischen den Erzfeinden Gentechnologien und Biobauern, aber das ist ja bereits anfänglich im Gang, siehe z.B.

Ammann, K. (2008)
Feature: Integrated farming: Why organic farmers should use transgenic crops. New Biotechnology, 25, 2, pp 101 - 107
http://www.botanischergarten.ch/NewBiotech/Ammann-Integrated-Farming-Organic-2008.publ.pdf AND DOI: http://dx.doi.org/10.1016/j.nbt.2008.08.012

Ammann, K. (2009)
Feature: Why farming with high tech methods should integrate elements of organic agriculture. New Biotechnology, 25, 6, pp 378-388
http://www.sciencedirect.com/science/article/B8JG4-4WKTX50-1/2/1698b7149ed724fd0a49b3ae49f234ab AND http://www.botanischergarten.ch/Organic/Ammann-High-Tech-and-Organic-2009.pdf

Ammann, K. & van Montagu, M. (2009)
Organotransgenesis arrives. New Biotechnology, 25, 6, pp 377-377
http://www.sciencedirect.com/science/article/B8JG4-4W7YY1F-1/2/28740dfca05cf12bb3b973b4f4568ccb AND http://www.botanischergarten.ch/NewBiotech/Ammann-Montagu-Editorial-Oranotransgenesis-arrives-2009.pdf

sorry, schon wieder viele Zeilen, Klaus
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# Peter 2010-11-16 22:10
Lieber Herr Amman, Sie sind Wissenschaftler und genau das ist das "Problem" bei Ihren Bemühungen den Menschen das Unbehagen vor GVOs zu nehmen. So schreiben Sie "Ich bin bereit, jede meiner Aussagen mit viel wissenschaftlicher Literatur – publiziert in den renommiertesten Zeitschriften, zu belegen." Doch welcher Laie kann und möchte sich mit technischen und unverständlichen (und z.T. bewusst im Fachjargon gehaltenen) Beiträgen herumschlagen? Welcher Leser kann mit dem Hinweis auf "wissenschaftliche Literatur" und auf "renommierteste Zeitschriften" etwas anfangen? (Für Laien ist evtl. der Spiegel eine renommierte Zeitschrift...) Als Hinweis um Ihre Aussagen zu unterstützen ist das ja durchaus in Ordnung, doch Ihr Verweis auf die ASK-FORCE-Beiträge geht darüber hinaus. Zum einen handelt es sich dabei um "Internet-feindliche" PDFs und nicht um schnell ladbare und unkompliziert anklickbare HTML-Seiten. Dann wird in dem PDF auf weitere PDFs verlinkt. Das mag zwar schön sei für Leute, die sich das ausdrucken möchten, doch wer macht das schon im Netz? Und in diesen PDFs kommen Auflistungen um Auflistungen, Referenzen und Referenzen, viel "staubiger" Text. Die Informationen der GVO-Gegner sind hingegen leicht zugänglich, meist kurz und zudem locker und bunt aufbereitet. Das liest sich flott, das sieht ansprechend aus. Das ist natürlich gerade das Problem, dass das nicht mehr als heiße Luft ist. Aber dennoch ist das - für die Darbietung - der "Maßstab". Daher wäre m.E. eine kurze Aussage/ Widerlegung angebrachter, gefolgt von einer kurzen und vereinfachte allgemeine Erklärung wie Wissenschaft im jeweiligen Fall funktioniert (wie funktioniert ein Versuch, wo liegen die Fehler bei den Versuchen die von Gegnern angeführt werden, was kann überprüft werden, wie sieht das bei anderen Themen aus), gefolgt von einer Bewertung der Quellen (Erklärung dessen was Fachzeitschriften sind, welche Unterschiede es bei Autoren gibt), ganz am Ende gefolgt von den Referenzen. Viel Erfolg!
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# BF 2010-11-23 20:24
Quoting Peter:
Lieber Herr Amman, Sie sind Wissenschaftler und genau das ist das "Problem" bei Ihren Bemühungen den Menschen das Unbehagen vor GVOs zu nehmen. So schreiben Sie "Ich bin bereit, jede meiner Aussagen mit viel wissenschaftlicher Literatur – publiziert in den renommiertesten Zeitschriften, zu belegen." Doch welcher Laie kann und möchte sich mit technischen und unverständlichen (und z.T. bewusst im Fachjargon gehaltenen) Beiträgen herumschlagen?


Und was sollen Wissenschaftler Ihrer Meinung nach machen, um das unbelesene Publikum auf eine Ebene abzuholen, die dem aktuellen Stand der Forschung entspricht? Leider lassen sich viele naturwissenschaftliche Zusammenhänge nicht so weit vereinfachen, daß sie fürs PISA-Prekariat eingängig werden. Es fehlen schlichtweg fürs Verständni die Grundlagen. Dazu gehört eben auch ein Wortschatz der den Mindestwortschatz des Spiegel-Lesers übersteigt.
Sorry, daß das mal gesagt werden mußte.

Eigentlich müßte mit der Überschrift "Kein einziger Fall von nachgewiesenen Schädigungen bekannt" nach hunderten von Untersuchungen und dem Langzeit-Großfeldversuch "USA" der Öffentlichkeit alles deutlich geworden sein.
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# Torben 2010-11-22 10:18
Dieses Interview stellt leider nichts weiter als einen Propaganda-Artikel eines Gentechnik-Lobbyisten da, mehr nicht.
1. Amman behauptet für seinen Einsatz in Monsanto-Vorträgen und -Videos keine Honorare bekommen zu haben. Das läßt sich weder beweisen noch widerlegen. Da diese Aussage von ihm selbst stammt ist sie somit wertlos.
2. Behauptungen, daß die Forschungen von Pusztai widerlegt sind, entsprechen nicht der Wahrheit. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, wie mit Forschern wie Prof. Pusztai umgegangen wurde, sollte sich den Film "Monsanto, mit Gift und Genen" von Marie-Monique Robin ansehen. Link: http://video.google.de/videoplay?docid=-7781121501979693623#
Die Forschungen für die Unbedenklichkeit von Gentechnik wurde alle von Monsanto selbst durchgeführt oder von Forschungseinrichtungen, die von Monsanto finanzielle Zuwendungen erhalten und somit wohl kaum unabhängige Ergebnisse liefern können. Pusztai war am Rowett Research Institut in Aberdeen beschäftigt und seine Fütterungsversuche an Ratten zeigten Organveränderungen und Immunanfälligkeiten bei den mit gentechnisch veränderten Kartoffeln gefütterten Tieren. Nachdem er seine Ergebnisse öffentlich bekannt gegeben hatte wurde er auf Anweisung von Regierungskreisen gefeuert. Ähnlich erging er anderen Forschern, die ebenfalls negative Auswirkungen von genetisch veränderten Lebensmitteln nachwiesen.
3. Einfach mal nach Michael Taylor und Monsanto googlen. Taylor war als Lobbyist für Monsanto tätig. Dann wechselte er zur FDA und setzte die Genehmigung für diverse Monsanto-Produkte durch. Anschliessend wechselte er in die Führungsetage von Monsanto. Die Amerikaner nennen so etwas "Revolving Doors". Mit welch kriminellen Mitteln Monsanto seine Interessen durchsetzt kann man detailiert im genannten Film anschauen.
4. Die Relativierung seitens Ammann, daß Syngenta größer ist, täuscht darüber hinweg, daß Monsanto über 90 Prozent des Gentechnik-Marktes beherrscht.
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# Bibliothekar 2010-11-22 13:27
Der Kommentar von Torben ist nichts weiter als ein Propaganda-Kommentar eines Gentechnik-Gegners. So könnte man als Replik hier auch schreiben und ihm dann noch unhaltbare Behauptungen und Mutmaßungen unterstellen. Doch das wollen wir hier eigentlich nicht.

Lieber Torben, wenn Sie Monsanto als Konzern bekämpfen wollen und im Lobbyismus nur Böses sehen wollen, so dürfen Sie das gern tun. Nur darf man die Diskussion um die grüne Gentechnik nicht auf diese Aspekte verkürzen. Dies wird der Sache in keiner Weise gerecht. Also, richten Sie ihren Zorn, wegen mir, bitte gegen Monsanto und nicht gegen die grüne Gentechnik. Sie diskretitieren so einen großen Teil der Forschung und deren Forscher

Zu Pusztai sollte man ebenso die umfangreiche wissenschaftliche Beurteilung seiner Untersuchungen betrachten, als auch die genauen Vorgänge, die in seiner Handlungsweise begründet waren und nichts mit seinen Forschungsarbeiten zu tun hatten. Hier ging es um ein nichtautorisiertes Handeln im Rücken seiner Forschungseinrichtung, was zum Konflikt führte. Er handelte im puren Eigennutz. Das kann man auch alles ergoogeln.

Beste Grüße B.
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# Torben 2010-11-23 11:49
Lieber Bibliothekar,

ich bin ein Gentechnik-Gegner, weil sie den Menschen ohne deren Wissen und Zustimmung aufgezwungen wird und Konzere, wie Monsanto sich krimineller Methoden bedienen, Kritiker auszuschalten. Pusztai ist nur ein Beispiel von vielen, wie Forscher, die zu anderen Ergebnissen kommen, als subventionierte Monsantoforscher, diskreditiert und ruiniert werden. Monsanto geht dabei besonders rücksichtslos vor. Ich bin auch kein Gegner neuer Technologien, finde es aber zwingend erforderlich sich kritisch mit allen Vor- und Nachteilen auseinanderzusetzen. Die Öffentlichkeit hat das Recht über Risiken vollständig aufgeklärt zu werden. Dieses wird im Falle Von gentechnisch verändertem Saatgut und anderen biologischen Manipulationen nicht ausreichend gemacht. Das Kritiker selbst auf Veranlassung von höchsten Ebenen diffamiert, frühzeitig pensioniert oder mundtot gemacht werden, zeigt, daß es bei der Gentechnik ohne Berücksichtigung von möglichen Gefahren ausschliesslich um finanzielle Interessen einzelner Konzerne und nicht um das Wohlergehen der Menschheit geht.
Mit besten Grüße zurück
Torben
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# BF 2010-11-23 21:32
Das primitive Konzerrnbashing ist geistlos und daher inakzeptabel.
Wer hat denn die politische Meßlatte so weit hochgesetzt, daß sich nur große Konzerne die Entwicklung leisten konnten? Damit wurden Wettbewerb verhindert und Monopole gefördert.
Na, wer war's? - Die grünen Ideologen.
Wenn sich jetzt Monopolisten benehmen wie Monopolisten, ist es doch kein Wunder. Oder haben genau das die Ökologisten bezweckt...?

Es werden ständig "mögliche Gefahren" der Gentechnik herangezogen, von denen sich kene einzige als stichhaltig erwies.
Daß der Mensch seit 10.000 Jahren Pflanzen züchtet (was auch nichts anderes als Gentechnik ist, allerdings nur zufällig gewünschte Ergebnisse hervorbringt), wird anstandslos hingenommen und - ohne aufwendigen Versuchsreihen und Zulassungsverfahren - sogar gegessen. Man stelle sich mal diese "Risiken" vor ;-)
Alle(!) unserer Nahrungsmittel-Pflanzen entstammen der Züchtung; sie kommen in der freien Natur schlechterdings nicht vor.
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# Bibliothekar 2010-11-23 20:59
Lieber Torben,

ich bin Gentechnik-Befürworter, weil sie ein großes Potential zur Lösung der Ernährungsprobleme der Menschheit hat und dank umfangreicher Forschungen und und Gegenforschungen eine enorm große Sicherheit aufweist. Gerade das zeichnet sie vor vielen anderen Züchtungsmethoden aus.

Wenn Sie so große Probleme mit Monsanto und Co. haben, so sorgen Sie doch dafür, das die Forschung zur Grünen Gentechnik wieder eine entsprechende Heimat in den den staatlichen Forschungsinstituten findet. Hier können Sie dann auch eine bessere Kontrolle der Vorgänge durchsetzen. Feldzerstörungen sind jedenfalls nichts als barbarische Bilderstürmereien und kriminelle Akte.

Zu den Ikonen der Anti-Gen-Bewegung, wie Pusztai, Shiva oder Schmeiser ist schon andernorts genug gesagt wurden. Dazu hat die Wissenschaft ihr Wort gesprochen.

Interessante Beiträge zur Grünen Gentechnik finden Sie zum Beispiel hier auf einer meiner Lieblingsseiten.

http://www.novo-argumente.com/magazin.php/novo_dossiers/gruene_gentechnik_und_landwirtschaft/

oder auch hier:

http://www.transgen.de/home/

Beste Grüße B.
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# maria 2010-12-14 20:05
"Hier ging es um ein nichtautorisiertes Handeln im Rücken seiner Forschungseinrichtung, was zum Konflikt führte. Er handelte im puren Eigennutz."
Kurze Frage: dass er es eigennützig gemacht hat, und es nicht erlaubt war und tralala in allen Ehren, aber sind die Ergebnisse nun richtig oder nicht? und wenn ja, warum argumentiert man dann immer mit solchen Antworten dagegen, die mit der Kernaussage nichts zu tun haben. Auch wenn das alles rechtswidrig war, ist die Aussage da. Und die sollte widerlegt werden, statt gestritten, ob die Versuchsanordnung so in Ordnung war oder nicht oder?
Genauso wie bei dem Monarchfalter - ja, er kommt normal nicht in der Nähe des Maises vor, und ja er würde die Pollen normal nicht essen.
Aber es wurden nunmal schlechte Auswirkungen bewiesen. Also warum kann man sich nicht dransetzen und testen ob es die nun wirklich gibt, oder nicht, statt drüber zu streiten, ob die Versuchsanordnung der Realität entspricht oder nicht.
Ein wirklich entkräftigendes Argument gegen die Gefährlichkeit des Maises wäre doch der Beweis, dass er auch die Pollen normalen Maises nicht verträgt, oder was weiß ich....
óder seh ich da was falsch?
Ist er nur wegen dem Gift des Bacillus gestorben?
Ich lese immer nur er is wegen dem Mais gestorben. Aber woran genau? wenner an dem Gift gestorben ist, kann man doch einfach sagen, wenn man normalen Mais mit dem Gift besprüht kommt dasselbe raus, kein zusätzliches Risiko.
ich weiß nicht, wies wirklich awr/ist, deswegen frage ich. und erbitte eine Antwort
liebe grüße
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# Bibliothekar 2010-12-15 15:29
Liebe Maria,

zur wissenschaftlichen Beurteilung Arpad Pusztais finde ich die Seite und die dazu gehörigen Artikel hilfreich.

http://www.transgen.de/aktuell/archiv_2002/337.doku.html

Besser kann ich die Probleme auch nicht auflisten.

Beste Grüße B.
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