Energiewende – wer braucht schon Fakten? PDF Print E-mail
12.01.2012
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Leserbeitrag von Albert Wiedemann

 

Die gesamte Energiewendediskussion wird weitgehend an den Fakten vorbei geführt - Fakten und Wissen sind offenbar nicht relevant. Wenn Cem Özdemir in einem Interview mehrfach Watt nicht von Byte unterscheiden kann, zeigt das, wie wenig Sachverstand offenbar auch in der Politik eine Rolle spielt.


Installierte Leistung/Kapazität und gelieferte Energie sind zwei grundverschiedene Dinge.

 

Die installierte Leistung (gemessen in Watt) ist die theoretisch lieferbare Leistung bei vollem Betrieb. Bei Kohle und Kernenergie, sowie Gaskraftwerken kann diese Leistung über längere Zeit abgeliefert werden, abgesehen von Wartungszeiten. Bei Wasserkraft hängt es von der Verfügbarkeit vom Wasser im Speicher ab, bei Windkraftanlagen vom Wind, bei Photovoltaik vom Sonnenstand und der Bewölkung. In Deutschland waren 2009 152,9 GW Leistung installiert. Sollen unsere Stromnetze nicht zusammenbrechen, müssen wir zu jeder Zeit geringfügig mehr Leistung einspeisen als wir verbrauchen. Im Durchschnitt wurden 2009 68 GW abgerufen. Scheint keine Sonne und geht kein Wind, stehen noch 117,3 GW zur Verfügung. Bei einer Verfügbarkeit der anderen Anlagen von 80% steht somit eine theoretische Leistung von 93,8 GW zur Verfügung – dann laufen aber alle Wasserkraft-, Gas- und Ölkraftwerke in voller Leistung.

 

Gelieferte Energie beschreibt die Leistung mal Zeit und wird damit in Wattstunden (Wh) gemessen. Grob verbrauchen wir pro Bürger und Jahr etwa 1 MWh Strom pro Jahr im Haushalt, wir rufen also laufend eine Leistung von etwa durchschnittlich 114 Watt ab. Einmal den Föhn oder den Staubsauger einschalten verzehnfacht die geforderte Leistung aus dem Netz. Wenn ich also noch Staubsaugen möchte, während die Waschmaschine läuft, brauche ich Reserven im Netz. Insgesamt wurden 2009 578,9 TWh verbraucht und 593,2 TWh erzeugt.

 

Zurück zur Energiegewinnung. Laut BMWI 2009 lassen sich folgende Aussagen treffen: Von der theoretischen Kapazität (installierte Leistung) * 8760 Stunden pro Jahr liefern: Braunkohle 74%, Kernenergie 72%, Erdgas 39%, Wasserkraft 27%, Mineralöl 21%, Windenergie 17% und Photovoltaik 8%. Über alle Energieträger wurden 44% der theoretisch verfügbaren Kapazität verwendet, um Strom zu erzeugen. Bei Wasserkraft, Erdgas und Mineralöl hat man die Möglichkeit, kurzfristig steuernd einzugreifen, das heißt, die Kraftwerke werden je nach Bedarf stärker oder schwächer genutzt. Bei Kohle ist die Steuerung nur etwas langwieriger regelbar. Allerdings reduziert das Fahren unter Teillast und Lastwechsel den Wirkungsgrad der Anlagen.


Nimmt man den Kehrwert, ergibt sich, dass man für die Sicherstellung einer Wattstunde Energie 1,35 Watt Leistung in einem Braunkohlekraftwerk investieren muß, aber 5,8 Watt in Windkraftanlagen und 13 Watt in Photovoltaikanlagen. Während Braunkohlekraftwerke 15% der installierten Leistung darstellen, liefern sie 25% des Stroms, Photovoltaikanlagen liefern bei einem Anteil von 6% an der installierten Leistung 1% des Stroms.


Ein paar einfache Rechnungen reichen also aus, um Pressemeldungen wie "Die neue Windkraftanlage ... kann 50.000 Haushalte versorgen" als Hirngespinst zu erkennen.

 

Comments  

 
# Hein 2012-01-12 15:31
Und selbst das was uns hier vorgerechnet wurde, sind nur durchschnittliche Werte. Wenn in der Nacht mal kein Wind wehen sollte, dann werden auch 1000 GW installierte Leistung aus Wind und Sonnenenergie keinen Strom liefern.
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