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Man kann der Heinrich-Böll-Stiftung das Verdienst nicht hoch genug anrechnen, mit dem Sammelband "Braune Ökologen" auf die rechts-nationalistische Unterwanderung der Umweltbewegung aufmerksam zu machen. In mehreren Beiträgen erfährt man hier Bekanntes, aber auch Neues über die "braunen" Wurzeln der Umweltbewegung, die romantische Verklärung der Einheit von Mensch und Natur und den daraus abgeleiteten Fortschrittspessimismus.
Für die heutige Umweltbewegung ist die inhaltliche Nähe rechter Ideologen zu den Kerninhalten ihres ökologischen Weltbildes verständlicherweise ein Problem, zumal, das versuchen die Autoren der Texte zuweilen etwas umständlich zu kaschieren, die Gründe für eine Ablehnung von fossilen Energieträgern, der Gentechnik in der Landwirtschaft und industriellen Argrarmethoden gar nicht so weit voneinander entfernt sind.
"Zurück zur Natur"-Rethorik, ominöse "ökologische Gleichgewichte", regionalwirtschaftliche Abgrenzung kleinbäuerlicher Hof-Romantik und wissenschaftsferne Fortschrittskritik sind keine Eigenheiten "brauner Ökologen", sondern auch konstituierende Elemente der Denkwelt der "grünen" Ökologiebewegung, die sonst eine Nähe zu rechter Ideologie vehement von sich weisen würde.
Man muss nur einmal eine Führung durch das Ökodorf Brodowin gemacht haben, um zu wissen, wie vehement regionale Landwirtschaft gegen die wirtschaftliche Bedrohung durch die Globalisierung verteidigt wird. Kein gutes Haar wird dort an Bauern aus Übersee gelassen, selbst dann nicht, wenn diese mit Bio-Lebensmitteln konkurrieren. Selbst der Zweifel vieler "brauner Ökologen" an der Fähigkeit der Demokratie, mit den ökologischen Problemen unserer Zeit fertig werden zu können, ist den heutigen politischen Debatten nicht fremd, woran der im Sammelband enthaltene Beitrag von Hubertus Buchstein noch einmal eindrucksvoll erinnert.
Insofern eignet sich dieser Sammelband nicht nur zur Abgrenzung von grünen und braunen Ökologen, wie von der Heinrich-Böll-Stiftung im Vorwort avisiert, sondern auch als Spiegel für all diejenigen, deren Umweltbegeisterung unreflektiert dieselben Denkfiguren bemüht wie die derzeit wachsende "völkisch-autoritäre Ökologiebewegung".
Quellen
Download des Sammelbandes "Braune Ökologen"
Heinrich-Böll-Stiftung: "Braune Ökologen - Hintergründe und Strukturen am Beispiel Mecklenburg-Vorpommerns"
Deutschlandradio: "Naturschutz in Braun - Wie Rechtsextreme in der Ökoszene mitmischen"
Endstation Rechts: "Braune Ökologen – neue Publikation sorgt für großen Andrang" |
Comments
Ich denke das liegt weniger an gemeinsamen Ideologien der Parteien, als an der Gemeinsamkeit der angesprochenen Wähler. Gerade fundamentalistische Ökologiekonstrukte und -forderungen sprechen Menschen aus unterschiedlichsten politischen Positionen erfolgreich an. Die Grünen verlieren zunehmend ihre angeblichen Alleinstellungsmerkmale. Hierbei ist sicher auch ein Blick in die Entstehungszeit ökologischer Bewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts hilfreich.
Mit der Distanzierung zu ökofaschistischen Gruppierungen und Personen haben die Grünen allerdings bis heute doch erhebliche Schwierigkeiten. Auch die Schriften eines Herbert Gruhls finden heute noch genügend Bewunderer unter den Grünen. Regionale Bündnisse mit der ÖDP, die über Stiftungen und Personen immer noch dem Geiste des Gründers folgt, sind keine Seltenheit. Der Einfluß der doch recht absonderlichen Anthroposophen sei noch ergänzend erwähnt.
Zu loben ist aber unbeschränkt, daß man sich der Problematik der Farbelehre der Ökobewegungen stellt.
Beste Grüße B.
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