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“Ja, ist denn heut schon Weihnachten?” Dieser Spruch von Kaiser Franz war es, der sich spontan in meinem Geist festsetzte, als ich das Energiekonzept der Grünen durchgelesen habe. Man könnte dieses Positionspapier durchaus als Ausdruck fehlender Kompetenz der Grünen Partei beim Thema Energieversorgung verstehen, aber wahrscheinlich handelt es sich hierbei gar nicht um ein konkretes Konzept, sondern um den Ausdruck dessen, was sich die grüne Seele tief in ihrem Innersten sehnlichst wünscht.
In diesem Dokument ist vielfach die Rede davon, was die Grünen wollen. Es ist also eine Art Wunschliste, und genauso liest es sich auch in weiten Teilen. Es wird im Detail beschrieben, was alles erreicht werden soll. Wie man diese Wünsche auch konkret in die Tat umsetzen kann, erfährt der Leser meist nicht. Und auch dass sich manche dieser Wünsche zum Teil diametral widersprechen, scheint nicht weiter zu stören.
Widersprüchliche Forderungen? Egal.
Ein Beispiel: Wie auch das Energiekonzept der Bundesregierung sieht das Konzept der Grünen vor, massiv elektrische Energie einzusparen. Der Stromverbrauch soll etwa im Zeitraum von 2010 bis 2020 um 12 Prozent gesenkt werden. Im gleichen Zeitraum soll aber die Zahl der Elektrofahrzeuge auf unseren Straßen auf 2 Millionen ansteigen. Aber Elektroautos sind ja auch “gute” Stromverbraucher. Die Tatsache, dass vielfach schlicht der höhere Preis für Elektromobile den Verbraucher davon abhält, diese zu kaufen, soll übrigens durch eine verstärkte Förderung (sprich Subventionierung) ausgeglichen werden. Wer sich bislang noch nicht für die nach grüner Lesart korrekte Lebensweise entscheiden konnte, soll jetzt durch finanzielle Anreize dazu gebracht werden. Die Kosten dafür trägt (wie immer eigentlich) der Steuerzahler.
Überhaupt scheint Geld, und damit die Finanzierbarkeit der Vorhaben, in der grünen Lebenswelt nur eine untergeordnete Rolle zu spielen. Der grüne Zielkonflikt etwa, einen durch sogenannte Erneuerbare Energien erhöhten Bedarf an neuen Stromleitungen nicht mit Landschafts- und Umweltschutz in Einklang bringen zu können, wird dadurch gelöst, dass der Bau neuer Leitungen „vorrangig als Erdkabel“ zu erfolgen hat. Dass dadurch die ohnehin immensen Kosten noch einmal gut verdreifacht werden, ist nicht zu lesen. Wer will sich, wenn es um die Rettung des Planeten geht, denn auch mit solchen Kleinigkeiten aufhalten.
Und natürlich will man auch den bei den Grünen als Klimakiller geschmähten Kohlekraftwerken an den Kragen. Erreicht werden soll dies vor allem durch die Einführung eines Mindestwirkungsgrades für Fossile Kraftwerke. Konkrete Angaben, in welcher Größenordnung dieses Minimum liegen soll, sucht man jedoch vergeblich. Das Dokument legt jedoch nahe, dass die einzig noch tolerierbaren thermischen Kraftwerke solche mit Kraft-Wärme-Kopplung sind. Wird doch im grünen Energiekonzept mehrfach lobend erwähnt, wie effizient diese Art der Energieerzeugung ist. Wobei man sich jedoch fragt, warum, wenn das alles so stimmt, gerade diese Kraftwerke ohne staatliche Förderung überhaupt nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten. Konsequenterweise fordern die Grünen daher auch, die (finanzielle) Förderung für Strom aus KWK anzuheben und die Förderdauer zu verlängern. Dass es eigentlich ein Widerspruch ist, dass “besonders effizient” produzierter Strom mehr kostet, findet in der grünen Gedankenwelt wohl keine Anwendung.
Heilsbringer “Erneuerbare”
Eines ist jedem Grünen jedoch völlig klar. Die Energieversorgung in Deutschland muss schnellstmöglich auf sogenannte Erneuerbare umgestellt werden. Eventuelle Zweifel an der technischen und wirtschaftlichen Machbarkeit gibt es nicht.
Inzwischen gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass die Energieversorgung in wenigen Jahrzehnten durch erneuerbare Energien vollständig sichergestellt werden kann, insbesondere wenn es gelingt, den Energieverbrauch insgesamt zu senken.
Auf strittige Punkte wie etwa die Stromspeicherung in Größenordnungen, wie es hierfür erforderlich wäre, wird nur am Rande eingegangen. Die Lösung sollen Speicherkraftwerke in Norwegen und Schweden, sowie die Nutzung der Batterien der dann in großem Stil genutzten Elektrofahrzeuge als Puffer bringen. Bleibt aus Sicht der Grünen nur zu hoffen, dass sich in Skandinavien bis dahin keine Ökopartei etablieren kann und nicht Umweltschützer etwas dagegen haben könnten, dass die Landschaft dort mit Speicherkraftwerken zugepflastert wird, damit der deutsche Michel sein Herz an dem ohne schlechtes Gewissen produzierten Strom erwärmen kann. Und auch der immer wieder gehörte Vorschlag der Stromspeicherung in Autobatterien ist höchstens auf den ersten Blick brauchbar. Schließlich wird die Lebensdauer von Akkus hauptsächlich von der Zahl der Be- und Entladezyklen bestimmt. Ein Einsatz als dynamischer Speicher würde also deren Lebensdauer erheblich verkürzen.
Biodiesel ist gut – wenn die Grünen ihn fordern
Ein weiterer Baustein des Energiekonzepts der Grünen ist der verstärkte Einsatz von Energiepflanzen, sei es als Biokraftstoff für Fahrzeuge oder zur Produktion von Biogas für Heizzwecke und zur Stromgewinnung. Inzwischen ist allerdings den meisten Bundesbürgern aufgegangen, dass beim Einsatz sogenannter Biokraftstoffe in großem Stil die Nachteile, auch und vor allem unter Berücksichtigung von Umweltschutzaspekten, bei weitem überwiegen. Egal wohin man schaut, seien es die Palmölplantagen, für die in Südostasien gigantische Regenwaldflächen gerodet werden, Mais-Monokulturen zur Erzeugung von Bioethanol in den USA oder für Biogasanlagen in Deutschland oder die Energie- oder Lachgas-Bilanz von Rapsfeldern, man kommt dabei zum gleichen Schluss, wie auch die Grünen in ihrem Strategiepapier:
Völlig gescheitert ist die Bundesregierung mit ihrer Biokraftstoffstrategie.
Nur sind die Grünen nicht der Auffassung, man müsse aus den obengenannten Gründen den Biosprit-Unsinn sofort stoppen. Nach deren Ansicht gehen die Anstrengungen der jetzigen Bundesregierung nur nicht weit genug und ein Ausbau der Produktion von Kraftstoffen aus Nahrungsmitteln wäre stattdessen angesagt. Und die oben angeführten Argumente gegen diese Art der Energieerzeugung kann man in der grünen Realität einfach wegwischen, indem man verlangt, die Nutzung von Biokraftstoffen an „die Anwendung strenger, international vereinbarter und überprüfbarer Sozial- und Umweltstandards“ zu binden.
Die in dem Energiekonzept vorgetragenen Wünsche kann man, ohne bei der konkreten Umsetzung auch nur annähernd auf strittige Details einzugehen, wohl nur vorschlagen, wenn man sich in der Opposition befindet und nicht Gefahr läuft, die Durchführbarkeit auch in der Realität beweisen zu müssen. Dass die Grünen, wenn sie in der Regierungsverantwortung sind, ihre Zielvorstellungen etwas mehr an die Wirklichkeit anpassen, haben sie in ihrer Geschichte ja mehrfach unter Beweis gestellt. Trotzdem kann man aus dem Richtungspapier recht gut herauslesen, was auf uns zukommt, wenn die Grünen das nächste mal auf Bundesebene Regierungsverantwortung bekommen.
Einige Punkte aus dem Energiekonzept der Grünen
- Tempo 120 auf allen Autobahnen
- Tempo 30 in Städten
- Neue Grenzwerte für PKW: Ab 2020 maximal 80 g CO2/km (etwa 3 Liter auf 100 km) und ab 2030 maximal 50 g CO2 (etwa 2 Liter auf 100 km)
- Ab 2015 Verbot von Motorrollern mit Verbrennungsmotor
- Privilegierte Parkplätze für Elektro- und Car-Sharing-Autos
- Ausweitung der LKW-Maut
- Eine Verpflichtung zum Einsatz „Erneuerbarer Energien“ bei der Wärmeerzeugung
- „Faire“ (das heißt wohl höhere) Energiepreise
Viele der oben beschriebenen Maßnahmen dienen nicht dem Umweltschutz, vielmehr werden damit die Weichen für eine der grünen Ideologie folgenden Wirtschaftspolitik gestellt. Die Kosten hierfür trägt wie immer die Allgemeinheit. Die Frage ist, wie lange sie dazu noch in der Lage ist.
Ursprüngliche Version erschienen auf "science-skeptical.de" |
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