| Wer Wald will, muss Papier gebrauchen |
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| 22.08.2011 |
Autorenbeitrag von
Nur 19 Prozent der befragten Kinder einer Umfrage des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit verwenden zu Hause und in der Schule Recyclingpapier. 69 Prozent lehnen Recyclingpapier ab, weil sie mit dessen Qualität unzufrieden sind, und 12 Prozent achten nicht auf die Art des von ihnen verwendeten Papiers? Ist das ein Problem?
Die Nachfrage nach dem nachwachsenden Rohstoff Holz kann nur befriedigt werden, wenn dieser Rohstoff gepflegt wird. Wird mehr Holz verbraucht, müssen mehr Bäume gepflanzt werden und es entstehen mehr Wälder. Mit Ausnahme der Nutzung von Regenwaldholz stammt das heute genutzte Wirtschaftsholz aus Plantagenwäldern, die nach Abholzung regelmäßig wieder aufgeforstet und zur Heimat verschiedener Tiere und Pflanzen werden, um dann nach Jahrzehnten bis Jahrhunderten wieder als Rohstoffquelle für die Holzverarbeitung zu dienen.
Ohne Holzverwendung gäbe es keinen Grund, die Wälder wachsen zu lassen, mit der Folge, dass die Flächen einer alternativen Nutzung anheim fielen. Angesichts des investiven Flächenbedarfs des Menschen für Siedlungen, Infrastruktur und Landwirtschaft wäre eine Sukzession der Natur auf diesen Flächen eher unwahrscheinlich. Stattdessen würden sich Siedlungsgebiete ausbreiten, breitere Straßen gebaut und mehr Flächen für die Landwirtschaft genutzt werden. Wer Wälder will, muss Holz verbrauchen.
Das gilt auch für die Verwendung von Papier, dessen Rohstoff in erster Linie Holzabfälle aus der Herstellung von Grundstoffen für die Bau- und Möbelindustrie sind. Papier wird aus dem Kuppelprodukt der Holzverarbeitung produziert, man greift aber auch auf Altpapier bei der Produktion zurück, da dessen Verwendung mit weniger Energie, Wasser und Primärholz verbunden ist und teilweise erhebliche Kosteneinsparungen ermöglicht. Die steigende weltweite Nachfrage nach Papier hat auch die Nachfrage nach Altpapier in den vergangenen Jahrzehnten erhöht und den Sekundärrohstoff zu einem begehrten internationalen Handelsgut werden lassen. Billiges Recyclingpapier ist vor allem in der Verpackungswirtschaft der Rohstoff der Wahl, findet jedoch in anderen Bereichen wegen Qualitätsproblemen, der Notwendigkeit, Farbreste zu entfernen und zu hoher Saugfähigkeit weniger stark Verwendung. Auch die befragten Kinder mögen mehrheitlich eine weiße Papieroberfläche, die bunte Farben besser zur Geltung bringt und sie nicht so leicht zerfließen lässt.
Alles in allem ist die Entscheidung der Kinder für helles Papier, das keine oder nur geringe Altpapierbestandteile beinhaltet, unproblematisch. Rohstoff-, Energie- und Wasserkosten fließen in den Verkaufspreis des Papiers ein, wodurch bereits ein wirtschaftlicher Anreiz für die Eltern besteht, beim Kauf des Malpapiers auf Ressourcenschonung zu setzen. Die Vorteile des Papierrecyclings für sich genommen reichen aus, den Produzenten Anreize zu setzen, wo es möglich und angebracht ist, bei der Papierproduktion auf Altpapier zurückzugreifen. Hierzu sind weder Recyclingquoten, noch eine Erziehung unserer Kinder zur Verwendung von Recyclingpapier notwendig. Auf keinen Fall müssen Kinder ein schlechtes Gewissen haben, wenn sie ihre Buntstifte lieber über weißen Zeichenkarton flitzen lassen.
Dieser Artikel wurde zuvor bei Denken für die Freiheit veröffentlicht |








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