| Der Weltklimarat: Ein auf die schiefe Bahn geratener Teenager - Interview mit Donna Laframboise |
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| 4.01.2012 |
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Im Dezember 2011 veröffentlichte Ökowatch eine Rezension von Steffen Hentrich über die Buchneuerscheinung "The Delinquent Teenager Who Was Mistaken for the World's Top Climate Expert". Im Nachgang hat die Autorin Donna Lafromboise Ökowatch nun ein ausführliches Interview zum IPCC gegeben. Ökowatch: Frau Laframboise, Sie nennen das IPCC mit ihrem Buch "einen auf die schiefe Bahn geratenen Teenager". Ist das nicht ein etwas hartes Urteil für eine so angesehene und von vielen als vertrauenswürdig erachtete Institution? Donna Laframboise: Wenn man einen jungen Menschen als auf die schiefe Bahn geraten bezeichnet, dann bedeutet das, dass die Gesellschaft die Hoffnung auf Besserung noch nicht aufgegeben hat. Insofern bin ich eigentlich gnädig, wenn ich den IPCC mit einem missratenen Teenager vergleiche. Viele Kritiker der Klimawandelindustrie sind da weniger zimperlich. Sie reden von Betrug, arglistiger Täuschung, finanziellem Eigeninteresse und purem Machthunger. Nach meinen umfangreichen Recherchen über das IPCC besteht allerdings wenig Hoffnung auf Besserung. Trotzdem denke ich, dass viele einzelne Akteure, die eine Rolle im IPCC spielten, uns nicht absichtlich hintergangen haben. Sie waren schlichtweg naiv und ahnungslos gegenüber der Tatsache, von UN-Bürokraten als Bauern über das Schachbrett der internationalen Klimapolitik geschoben zu werden.
Verwaltungsapparate versuchen stets, ihren Einflussbereich auszuweiten und streben danach, ihr Budget und Prestige zu vergrößern. Das zeichnet sie nun einmal aus. Deshalb muss man sich auch nicht wundern, dass ein Vertrag über die Begrenzung internationaler Klimagasemissionen für UN-Bürokraten so attraktiv ist. So ein Abkommen platziert diese Leute ins Zentrum der internationalen Politik.
Ich war einigermaßen schockiert, als ich während der Vorbereitungen zu diesem Buch entdeckte, wie unverblümt die Funktionäre des IPCC den primären Zweck der IPCC-Berichte in der Unterstützung internationaler Klimaverhandlungen und Abkommen über Emissionsbegrenzungen sehen, um damit Zugeständnisse seitens aller Länder zu erreichen.
Zu allererst dient das IPCC den UN-Bürokraten – Bürokraten, die schon vor zwanzig Jahren entschieden haben, dass Emissionsminderungen notwendig sind. Es ist sehr wichtig, den Ablauf der Ereignisse zu verstehen. Da wurde der Wagen vor das Pferd gespannt. Die UN-Kampagne für eine Begrenzung von Treibhausgasemissionen ging offiziell 1992 an den Start, lange bevor die Klimaforschung auch nur in die Nähe einer entwickelten Wissenschaft gerückt war.
Nicht nur für viele Deutsche ist das IPCC als wissenschaftliche Autorität über jeden Zweifel erhaben. Wie kamen sie bei diesem tadellosen Image überhaupt auf die Idee, diese Institution näher zu beleuchten?
Ursprünglich hatte ich gar nicht beabsichtigt, Nachforschungen über das IPCC anzustellen. Ich wollte ein Buch über den Umgang der Journalisten mit dem Klimathema schreiben, über den Rummel, der darum in den Medien gemacht wird, die Übertreibungen und Vereinfachungen der Journalisten. Als ich jedoch die Medienberichte mit dem verglich, was da beim IPCC vor sich ging, bemerkte ich, dass nahezu nichts davon, was uns über das IPCC so berichtet wird, der Wahrheit entspricht. Da war mir klar, dass ich darüber ein Buch schreiben muss.
Ihr Buch enthüllt eine ganze Reihe unbequemer Details und Probleme des IPCC. Welche davon stellen die Integrität dieser Institution am meisten in Frage?
Ihr Buch konzentriert sich auf das IPCC und nicht auf wissenschaftliche Fragestellungen zum Thema Klimawandel. Dennoch scheinen Sie von den wissenschaftlichen Aussagen des IPCC nicht überzeugt zu sein. Haben ihre Untersuchungen ihre Wahrnehmung über den Stand der Klimaforschung allgemein beeinflusst?
Das Buch stellt Journalisten mehrheitlich als parteiisch und gutgläubig in Bezug auf das IPCC dar. Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache dafür?
Journalismus, es tut mir leid, das so sagen zu müssen, ist zu einem Beruf wie jeder andere verkommen. Viele Leute fühlen sich vom Journalismus angezogen, weil er als schick gilt, nicht weil sie das brennende Bedürfnis haben, große Organisationen zur Rechenschaft zu ziehen.
Wie die meisten Menschen sind Journalisten Herdentiere. Statt selbst zu denken, folgen sie dem jeweils aktuellen Zeitgeist. Spätestens seit dem ersten "Earth Day" (Anm. d. Red.: Der „Tag der Erde“ ist ein globaler Umweltaktionstag, den ein US-Senator für ein umweltbewusstes Verbraucherverhalten anregte.) im Jahr 1970 ist es in Mode gekommen, den Planeten Erde für sehr empfindlich zu halten, den Menschen Rücksichtslosigkeit und Habgier vorzuwerfen und so zu tun, als stünden wir immer wieder aufs neue am Rand der ökologischen Apokalypse. Die Massenmedien haben diese Ideen begrüßt und weiterverbreitet, statt ihnen auch nur mit einem Zehntel der sonst üblichen journalistischen Skepsis zu begegnen.
Sie beschreiben die Verbindungen zwischen dem IPCC, den für die Organisation arbeitenden Wissenschaftlern und einigen internationalen Umweltorganisationen im Detail. Wie muss man sich diese vorstellen? Skeptische Stimmen scheinen dagegen kaum Einfluss auf die Arbeit des IPCC zu haben. Warum?
Wenn die Kapitel des IPCC-Berichts von zwei Wissenschaftlern zu verantworten wären, einer bekannt für seine Neigung zur Theorie der globalen Erwärmung und ein anderer mit eher klimaskeptischen Ansichten, hätten wir es mit völlig anderen Berichten zu tun. Es gäbe einen echten Ideenwettbewerb, eine echte und entschieden geführte Diskussion, und die Schlussfolgerungen wären wirklich belastbar. Stattdessen sieht es so aus, als sei das IPCC von Leuten mit einer klaren Agenda infiltriert.
Sie glauben nicht an die Reformierbarkeit des IPCC. Warum? In welche Richtung wird sich ihrer Meinung nach das IPCC bewegen?
Die Arbeit an diesem Buch hat mir gezeigt, dass es nicht in der Macht der Menschen liegt, Voraussagen für die Zukunft zu treffen, alle möglichen Ausprägungen zukünftiger Ereignisse zu antizipieren und die technologischen Entwicklungen vorauszusehen, die das Bild der Zukunft wieder und wieder verändern. Daher werde ich mich lieber hüten, viel über die Zukunft des IPCC zu spekulieren.
Es ist allerdings notwendig zu wiederholen, dass der IPCC von Bürokraten erschaffen wurde, um wiederum den Interessen von Bürokraten zu dienen. Daher ist es unwahrscheinlich, dass er in ein Gremium umgewandelt werden kann, das den Interessen der Öffentlichkeit dient.
Ihr Buch hat viel Aufmerksamkeit und Lob bei den Lesern erlangt. Doch was ist mit den Kritikern? Wurden substantielle Einwände geäußert?
Mein Buch ist keine drei Monate alt. Ganz ehrlich, ich war in letzter Zeit viel zu sehr damit beschäftigt, Werbung für das Buch zu machen, um mich selbst mit Lob und Kritik zu befassen. Bemerkenswert ist jedoch, dass sich das IPCC selbst nicht zu dem Buch geäußert hat. Man tut dort so, als würde es gar nicht existieren. Damit kennt man sich beim IPCC aus. Das IPCC hat ja auch über Jahre so getan, als würden so bekannte Kritiker wie etwa der Physiker Freeman Dyson nicht existieren.
Den sogenannten „Klimaskeptikern“ wird ja stets vorgeworfen, sie wären von der Öl- und Kohleindustrie bezahlt. Können Sie diese Vorwürfe aus Ihren eigenen Erfahrungen nachvollziehen?
Einige skeptische Klimablogger witzeln, dass sie bis heute auf einen Scheck von den Ölkonzernen warten. Das trifft auch auf mich zu. Während ich keinerlei finanzielle Unterstützung von irgendeinem Öl- oder auch Kohleunternehmen erhalten habe, gehört es zu den unangenehmen Wahrheiten, dass die Ölindustrie seit einiger Zeit erhebliche Geldmengen in die Erforschung des Klimawandels steckt.
Vor eineinhalb Jahren schrieb ich einen Weblog-Artikel mit dem Titel "BP, Greenpeace & der Big-Oil-Jackpot". Dort ging es um 100 Millionen US-Dollar, die ExxonMobil der Stanford Universität stiftete, um „Wege zu finden, den steigenden Energiebedarf ohne Vergrößerung des negativen Einflusses auf das Weltklima zu befriedigen.“ Erwähnt wurden auch die 500 Millionen US-Dollar, die BP zwei anderen Universitäten übereignete, um „den Einfluss des Energieverbrauchs auf die Umwelt zu reduzieren.“ Natürlich kamen auch die 30 Millionen US-Dollar zur Sprache, die BP einer weiteren Universität stiftete, damit man dort „Wege zur Überwindung des globalen Klimaproblems“ erforscht. In diesem Blogbeitrag zog ich folgenden Schluss: Würde man die Welt in zwei Gruppen aufteilen, eine die glaubt, der Klimawandel sei ein ernstes Problem, und eine andere, die den Einfluss des Menschen für vernachlässigbar klein und von natürlichen Einflüssen nicht unterscheidbar hält, dann hat erstere Gruppe erfolgreich eine Bank geknackt, während die andere vor einem Schnapsladen betteln geht.
Frau Laframboise, vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Steffen Hentrich |









Kommentare
MfG Chris Frey
Ein gutes Neues Jahr mit viel C02- wünscht
Erich Richter
Vielen Dank für das sehr interessante Interview und noch mehr Dank für das tolle Buch.
Seit Beginn des 20.Jahrhunderts wird der Menschheit vorgeworfen in ihre Entwicklung den falschen Weg in Richtung eines Abgrundes zu beschreiten. Die Themen und die Personen wechselten mit den Ideologien, ebenso die Anzahl der Mahner. Zur Zeit streben wir auf einen Höhepunkt des Kritikhypes zu. Er wird zunehmend instistutionalisiert und globalisiert. Die beteiligten Gruppen sind bestens vernetzt. Die Verflechtungen zwischen Regierungen, NGO's, globalen und regionalen Bündnissen und großen Teilen der Wirtschaft, die sich eigennützige Vorteile davon versprechen, haben ein gigantisches Ausmaß angenommen. Man maßt sich nicht mehr und nicht weniger an, als die Menschheit in ihrer Entwicklung korrigieren zu wollen. Genau zu diesem Zweck braucht es wohl Einrichtungen, wie das IPCC und dessen Drohungen zum Weltuntergang. Es überrascht mich nicht, das gerade aus diesen Kreisen die ersten Konkretheiten für die gewünschte Große Transformation kund getan werden. Solange dies hauptsächlich im verbalen und ideologischen Bereich geschieht wird die breite Masse dies nicht wahrnehmen wollen. Was aber, wenn direkte Maßnahmen greifen werden...?
Beste Grüße B.
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