Ökowatch im Fernsehen - das NDR-Medienmagazin "Zapp" wartet mit einem Lehrbeispiel für politisierten Journalismus auf (Teil I) PDF Drucken E-Mail
6.10.2011

Am 28. September war Ökowatch überraschend Thema eines Fernsehbeitrags des Medienmagazins "Zapp" im Norddeutschen Rundfunk.

 

"Maskiert - die Nähe zwischen Blogs und Parteipolitik" betitelte das Magazin den Beitrag, in dem unter anderem eine Verbindung zwischen Ökowatch und der Friedrich-Naumann-Stiftung konstruiert werden soll, die - um es gleich vorwegzunehmen - nicht existiert.

 

Der Fernsehbeitrag spricht im Tonfall des Empörungsformats und mit der Hinführung des Zuschauers auf das gewünschte Ergebnis für sich und bietet ein gutes Praxisbeispiel für Methoden, die auch bei der Durchsetzung von interessensgeleiteter Umweltpolitik und generell in der Politik immer wieder beobachtet werden können.

 

Wir nutzen deshalb im Sinne der Arbeit von Ökowatch die Gelegenheit, am Beispiel des Fernsehbeitrags einige dieser Mittel aufzuzeigen und ins Bewusstsein zu rücken.

 

Aufgrund der eindeutig ersichtlichen Intention des Beitrags im NDR soll an dieser Stelle neben der Analyse der verwendeten Mittel nur auf die gröbsten Fehlaussagen hingewiesen werden.

 

 

Die Fakten

 

Es entspricht gutem journalistischem Standard, die Informationen für einen Beitrag zu recherchieren und zu verifizieren, insbesondere, wenn er investigativ sein will und Missstände aufdecken soll. Die Redaktion von Zapp hat dies nicht getan; von Ökowatch wurden keine Informationen eingeholt - anscheinend genausowenig wie vom ebenso im Beitrag erwähnten Blog Antibürokratieteam.

 

Ökowatch muss als prominenter Aufhänger des Beitrags herhalten,  um - so der erste Eindruck -  wohl die Reputation der Friedrich-Naumann-Stiftung zu beschädigen. Die Redaktion von Zapp nimmt dabei in Kauf, ohne Kenntnis der Projekthintergründe auch das politikunabhängige Projekt Ökowatch gleich mit zu beschädigen.

 

Hätten Stephanie Zietz und Sinje Stadtlich von der Redaktion recherchiert und auch die auf der Seite verfügbaren Informationen berücksichtigt, hätten Sie folgendes erfahren können:

 

Ökowatch ist ein Autorenblog, in dem Artikel zu den Themen Umweltschutz und Nachhaltigkeit thematisch konzentriert zusammengefasst werden. Die Beiträge werden entweder exklusiv für Ökowatch geschrieben oder von anderen Medien übernommen, wenn sie thematisch in das Spektrum von Ökowatch passen. Ziel ist es, Umweltschutzforderungen und Regulierung kritisch auf die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen zu prüfen, unabhängig davon, von welcher politischen Seite die Vorschläge kommen. Ökowatch selbst steht für solide Umweltpolitik, ist überparteilich und erhält keine Unterstützung aus der Politik oder politiknahen Einrichtungen. Es gibt somit auch keine organistorische Verbindung zur Friedrich-Naumann-Stiftung, und Ökowatch wird durch die Friedrich-Naumann-Stiftung weder ideell noch finanziell unterstützt. Alle Autoren sind ehrenamtlich für Ökowatch tätig, dementsprechend hat auch jeder Autor einen Beruf außerhalb der Tätigkeit für Ökowatch.

Die Autoren, zumeist Journalisten und Wisssenschaftler, kommen aus unterschiedlichen Bereichen und politischen Richtungen, falls sie sich denn einer politischen Richtung zugehörig fühlen. Sie veröffentlichen für so unterschiedliche Medien wie Die Welt, den Focus, Natur, Science Skeptical oder Novo. Ökowatch spricht zur Veröffentlichung Autoren an, die zum Bereich "Umwelt" schreiben und die nicht nur die Intention von Umweltschutzmaßnahmen beurteilen können, sondern auch die Folgen und die Geeignetheit der Maßnahmen.

 

 

Was wurde im Fernsehbeitrag daraus gemacht?

 

"Von ihm (Steffen Hentrich; die Red.) gibt es viele Artikel auf Ökowatch, aber keine Informationen zum Autoren. Und so erfährt der Ökowatch-Leser nicht, dass Steffen Hentrich als Referent für die politische Friedrich-Naumann-Stiftung arbeitet. So viel zur Transparenz."

 

An anderer Stelle des Beitrags beschwert sich ZAPP darüber, dass unter den Artikeln von Steffen Hentrich auf die Originalartikel bei der Stiftung zurückverlinkt wird. Offensichtlich konnte sich die Redaktion nicht entscheiden, ob sie mangelnde Transparenz oder offene Werbung für die Friedrich-Naumann-Stiftung unterstellen soll und bemüht der Einfachheit halber gleich beide sich gegenseitig ausschließenden Argumente.

 

Ökowatch hat bewusst eine Autorensektion auf der Seite eingerichtet, auf der alle Artikel eines Autors auf einen Blick ersichtlich sind und auf der die Autoren weitere Informationen einstellen können. Wäre dies nicht gewünscht, wäre die Sektion "Autoren" weggelassen worden.

 

Steffen Hentrichs Verbindung zum Liberalen Institut ist unter jedem Artikel ersichtlich, den Ökowatch vom Blog des Liberalen Institut übernommen hat, z.B. auch unter dem von Zapp im Beitrag genannten Artikel.

 

"Christian Fuchs: "Natürlich darf jeder alles überall schreiben, das ist vollkommen klar. Aber dann muss man das transparent machen. Ich finde, für Mitarbeiter der Naumann-Stiftung, die eine Stiftung für Demokratie und Freiheit ist, sollte die Grundspielregel der Demokratie gelten, dass sie mit offenem Visier für ihre Argumente einstehen."

 

Steffen Hentrich ist dafür bekannt, dass er streitbar und mit offenem Visier aus volkswirtschaftlicher Sicht für seine Argumente einsteht - deshalb ist Ökowatch erst auf ihn aufmerksam geworden und hat ihn als Autoren gewonnen. Seine Beiträge bei Ökowatch sind namentlich gekennzeichnet und die Artikel sind jeweils auf "Denken für die Freiheit", den Blog der Friedrich-Naumann-Stiftung, zurückverlinkt, wenn ein Artikel dort zuerst veröffentlicht wurde. Die Redaktion von Zapp scheint bei ihren Behauptungen auf die Gutgläubigkeit der Zuschauer zu vertrauen, denn just im Artikel, der im Beitrag von Zapp genannt wird, ist der Blog der Stiftung als Erstveröffentlichungsort aufgeführt.

 

Diesen Sachverhalt bestätigt Zapp an anderer Stelle im Beitrag mit einer nun genau gegenteiligen Beschwerde:

 

"Viele Ökowatch-Beiträge verlinken auch noch, wie praktisch, auf das Stiftungsblog "Denken für die Freiheit"."

 

Die Anmerkung "wie praktisch" soll wohl nahelegen, dass die Verlinkung zum ursprünglichen Veröffentlichungsort diesmal als Werbung für die Friedrich-Naumann-Stiftung zu monieren ist. Dabei ist es schlicht Zitierstandard, auf den Ort der Erstveröffentlichung hinzuweisen. Daran hält sich auch Ökowatch und Ökowatch erwartet von Dritten, die Beiträge von der Ökowatch-Seite übernehmen, dasselbe. Ökowatch handhabt dies bei allen Autoren gleich, und so finden sich unter den Beiträgen anderer Autoren Verlinkungen z.B. zur "Welt", zu "Novo" oder zu "Science Skeptikal". Würde Ökowatch dies nicht so handhaben, hätte Zapp einen wirklichen Grund gehabt, "Intransparenz" und mangelnde Quellenangaben vorzuwerfen.

 

"ZAPP fragt bei der Naumann-Stiftung nach, für wen ihr Mitarbeiter Steffen Hentrich in erster Linie schreibt. Die Stiftung antwortet: "Steffen Hentrich schreibt dienstlich für das Blog des Liberalen Instituts und privat für Ökowatch." Nur sind privat und dienstlich bei Hentrich dasselbe. Denn er schreibt dieselben Artikel für Ökowatch und das Blog der Naumann-Stiftung."

 

Steffen Hentrich schreibt genausowenig wie die anderen Ökowatch-Autoren diesselben Artikel für Ökowatch und andere Herausgeber. Entweder ist ein Artikel exklusiv für Ökowatch geschrieben, oder Ökowatch übernimmt passende Artikel aus anderen Medien wie "Denken für die Freiheit".

 

Die Konvention zur Quellenangabe bei Ökowatch ist dabei für alle Autoren identisch: Exklusiv für Ökowatch geschriebene Artikel sind durch den Autor namentlich gekennzeichnet, Artikel, die Ökowatch von anderen Seiten übernimmt, sind, wie im Internet üblich, zusätzlich mit einer Quellenangabe verlinkt.

 

Wenn andere Seiten Artikel von Ökowatch übernehmen, erwartet Ökowatch der Konvention entsprechend, dass auch diese mit einer Verlinkung zu Ökowatch gekennzeichnet werden.

 

"Immer wieder dieselben Argumente und dieselben Autoren wie Steffen Hentrich."


"Autoren": Ökowatch ist ein Autorenblog mit einem Autorenstamm, deswegen liegt es in der Natur der Sache, dass dieselben Autoren regelmäßig Beiträge einstellen. Es wäre genauso absurd, der Zapp-Redaktion vorzuwerfen, dass bei den Beiträgen dort immer wieder diesselben Namen der Redaktionsmitarbeiter auftauchen.

 

"Argumente": Zapp vermeidet es, einzelne Argumente zu benennen oder auf Inhalte einzugehen, deswegen ist zum Vorwurf der sich wiederholenden Argumente weiter nichts zu sagen. Es wäre aber auch unerheblich, denn es liegt auch hier in der Natur der Sache, dass bei handwerklich schlecht gemachter Umweltpolitik durch naturwissenschaftlich und volkswirtschaftlich geschulte Autoren wiederholt auf die sich wiederholenden Probleme hingewiesen wird. Dafür ist Ökowatch angetreten.

 

"Offenheit suggeriert der Menüpunkt Unterstützer. Nur nachgucken braucht man dort nicht, Angaben - keine. Wer hier wen unterstützt, wird nicht verraten."

 

Wenn die Angabe von Unterstützern bei Ökowatch nicht gewünscht wäre, wäre auch diese Rubrik nicht eingerichtet worden.

 

Der Menüpunkt "Unterstützer" listet die Unterstützer auf, die sich unter den Menüpunkten "Ökowatch ideell unterstützen" und "Ökowatch finanziell unterstützen" eintragen oder für das Projekt auf anderem Wege spenden und der Nennung ihres Namens zustimmen. Derzeit ist Ökowatch noch ein ehrenamtliches Projekt, das von den Autoren getragen wird, die Autoren werden bei "Unterstützer" nicht nochmals namentlich genannt.

 

Generell wird Ökowatch nach der geplanten Gründung eines Trägervereins offen für eine Unterstützung durch Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen sein, die sich mit den Zielen von Ökowatch identifizieren können und Ökowatch deswegen unterstützen möchten. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass sich Ökowatch die Philosophie oder die Ziele eines Spenders zu eigen macht.

 

Zukünftige Spender, die namentlich genannt werden möchten, werden auf der Seite aufgeführt, wird Anonymität bevorzugt, wird auch dieser Wunsch von der Redaktion respektiert werden.

 

Wie im Beitrag von Zapp der Zuseher im Sinne des gewünschten Ergebnisses bewusst manipuliert wird, wird durch die Abweichung der Sprecherin vom im Internet ersichtlichen Transkript des Beitrags deutlich - hört man im Film in Bezug auf die Seite "Unterstützer" bei Ökowatch noch vorwurfsvoll die Aussage "Angaben - keine", obwohl der Zuschauer gleichzeitig im Bild den Ankündigungstext von Ökowatch sehen kann, dass hier zukünftig die Unterstützer aufgeführt werden, wird der Text im Transkript zu "noch keine Angaben" korrigiert, was schlicht die Realität wiedergegeben hätte, dass noch keine aufzuführenden Unterstützer vorhanden sind.

 

Da die Friedrich-Naumann-Stiftung weder ideeller noch finanzieller Unterstützer von Ökowatch ist, wie der Beitrag von Zapp nahezulegen versucht, könnte sie schon aus diesem Grund auf der Seite von Ökowatch nicht gelistet sein.

 

Im politischen Getriebe dürfte es vielleicht auch nicht jedem gefallen, wie die parteipolitisch unabhängig argumentierenden Ökowatch-Autoren manche Vorschläge aus dem Bereich der Umweltpolitik mit spitzer Feder einordnen: "Energiepolitik - CDU & FDP machen sich lächerlich"

 


Analyse der im Fernsehbeitrag verwendeten Mittel

 

Das Ziel der Zapp-Redaktion im Beitrag scheint deutlich - den Eindruck zu erwecken, dass die Friedrich-Naumann-Stiftung "undercover" über Blogs anderen Namens Einfluss auf die politische Meinungsbildung zu nehmen sucht.

 

Mit welchen Instrumenten arbeitet die Zapp-Redaktion im Beitrag, um aus der nicht vorhandenen Realität dieses Ergebnis ableiten zu können?

 

 

Zu Teil II mit der Analyse der im Fernsehbeitrag verwendeten Mittel

 

 

 

Links zur Sendung

 

Links zur Vorgeschichte des Fernsehbeitrags

 

Kommentare  

 
# cohen 2011-10-06 11:44
Ich freu mich schon auf den zweiten Teil.

Bestimmt kommt was zum Recyclingpapier. Der "Vorwurf" war richtig geil.

Recyclingpapierverweigerer sind mindestens so schlimm, wie Robbenbabyesser. :-)
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# jo@chim 2011-10-06 13:40
Hier der Beitrag auf antibuerokratieteam.net, der Sickendiecks Denunziationsbrief öffentlich machte - was ihn so erboste, dass er an's Fernsehen schrieb...
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# jo@chim 2011-10-06 14:50
Oha, das hat nicht geklappt mit dem Link, also hier noch einmal:

http://www.antibuerokratieteam.net/2011/09/08/fix-your-master-boot-record-sickendieck/
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