Kommentar zum Beitrag „Die mit dem Salat tanzt“, Lübecker Nachrichten vom 29./30. August 2010 PDF Drucken E-Mail
8.09.2010
Leserbeitrag von Christel Happach-Kasan


Dieser Beitrag ist eine Reaktion auf den Artikel "Die mit dem Salat tanzt", der in den "Lübecker Nachrichten" vom 29./30. August 2010 erschienen ist.   

 

Die Autorin zeichnet ein Zerrbild, geprägt von Sozialromantik und Esoterik und fern
der Lebensrealität.

 

1. Vor hundert Jahren war das Leben auf dem Bauernhof in keiner Weise in
Ordnung: Die Arbeit war knüppelhart, es gab keine Mechanisierung, Pilz- und
Insektenbefall bedrohten die Ernte und minderte deren Qualität, Pilzgifte
belasteten die Gesundheit von Mensch und Vieh. Damals lebten etwa zwei
Milliarden Menschen auf der Erde, von denen die Hälfte hungerte. 60 % der
Menschen arbeiteten in Deutschland in der Landwirtschaft, heute sind es etwa
3 %. Soll das die Zukunft sein, die wir anstreben?

 

2. Heute leben fast sieben Milliarden Menschen auf der Erde, und noch immer
hungern über eine Milliarde Menschen. Die massive Steigerung der Erträge ist
ein Erfolg verbesserter Anbautechnik und verbesserter Pflanzensorten. Über
100 mittelständische Pflanzenzuchtunternehmen haben in Deutschland daran
ihren Anteil, vier davon haben ihren Sitz im Verbreitungsgebiet der Lübecker
Nachrichten, zwei davon sind mehr als 100 Jahre alt. Nur eine weitere
Verbesserung der Erträge, der angebauten Pflanzensorten kann den Hunger
auf der Erde mindern.

 

3. Natürlich kann man die Vererbungsgesetze des Mönches Gregor Mendel aus

ideologischen Gründen für ungültig erklären. Aber sie gelten dennoch.
Hybridsorten bringen Vorteile für Landwirte, Pflanzenzüchter und Verbraucher.
Deswegen setzen sie sich durch. Bestes Beispiel ist der Raps: Vor 60 Jahren
lieferte er ein minderwertiges Öl, der Rapskuchen war giftig. Heutiger so
genannter Doppelnullraps liefert ein ernährungsphysiologisch hochwertiges
Öl, der Rapskuchen ist wertvolles Tierfutter und er wird in Hybridsorten
angebaut.

4. Luc Gnacadja, Chef der UNCCD (Konvention der Vereinten Nationen zur
Bekämpfung der Wüstenbildung), fordert eine zweite Grüne Revolution und
die Nutzung der Gentechnik, um trockenheitsresistente und salztolerante
Sorten zu erzielen. Die Wüstenbildung schreitet voran. Um sich dieser
Herausforderung zu stellen, braucht die Landwirtschaft neue Sorten, deren
Züchtung durch die Gentechnik unterstützt werden kann.


5. Die Qualität unserer Lebensmittel ist sehr hoch. Das Lebensmittelmonitoring,
das vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit
durchgeführt wird, beweist dies. Ernährungsprobleme entstehen durch die
Auswahl der Lebensmittel, durch das Essen von zu energiereichen
Lebensmitteln bei geringer Bewegung und nicht durch die Qualität der
Lebensmittel.


Die Lehren Rudolf Steiners können zur Erlösung heutiger Probleme von Ernährung
und Welternährung nichts beitragen. Wer an die Wirkung des Suds von vergrabenen
Kuhhörnern auf Pflanzen glaubt, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Das ist ein
Schritt in die Zeit vor der Aufklärung.

 

http://www.happach-kasan.de/

 

Leserbeiträge geben die Meinung des jeweiligen Autors wieder. Ökowatch ist es nicht in jedem Falle möglich, die getätigten Aussagen zu prüfen.

 

Kommentare  

 
# Bibliothekar 2010-09-08 09:57
Danke Frau Happach-Kasan, das Gesagte will ich nachdrücklich unterstützen und Sie bitten Ihre Position auch weiterhin so intensiv für dieses Ziel einzusetzen.

Der biologisch-dynamische Landbau, der von einschlägigen Kreisen der Bio-Landwirtschafts-Unterstützer sehr hoch gehalten wird, zeichnet sich durch eine sehr überzeugende "Wissenschaftlichkeit" aus und wird glaubhaft in verschiedenen Postulaten propagiert. Hier ein Beispiel dazu:

http://www.forschungsring.de/fileadmin/wissenstransfer/pdf/Kurzinfo_Vgl._EU-Bio-Bd_02.pdf

Beste Grüße B.
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# BF 2010-09-08 12:14
Dank an Christel Happach-Kasan (MdB)!
Jetzt feiert schon die "geisteswissenschaftliche" Sektenideologie des "Hellsehers und Geistesführers", Rudolf Steiner, in der Tagespresse fröhliche Urständ!
Die real existierende Welt galt dem "Seher" nur noch als materieller Schleier, hinter dem unsichtbar eine gesamte "Geistige Welt" wirke, ein Kosmos voller Geister, Dämonen, Engel und Teufel, die nur er, Steiner, zu "erschauen" vermochte. Diese "geistige Realität" bliebe den Akademikern und ihrer "materialistischen Wissenschaft" nicht nur verborgen, nein, er bezichtigte den "Drachen" moderner Wissenschaft direkt im Dienste des teuflischen Ahrimans zu stehen, des schlimmsten Wesens aus seiner Phantasiewelt.
Aus seiner Ideologie entstand die fundamental-vitalistische Biologisch-Dynamische Landwirtschaft, die als Keimzelle unserer heutigen "Bio"-Landwirtschaft (als ob nicht sämtliche Nahrungsmittel auf biologischem Wege produziert werden!) gelten muß und deren Produkte weder nahrhafter noch gesünder als konventionell erzeugte sind - ihr Zweck dient allein dem Marketing.
Und noch eins aus seinen vielen "Tätigkeitsgebieten": "[...] wir geben diese Negerromane den schwangeren Frauen zu lesen, da braucht gar nicht dafür gesorgt werden, dass Neger nach Europa kommen, damit Mulatten entstehen; da entsteht durch rein geistigs Lesen von Negerromanen eine ganze Anzahl von Kindern in Europa, die ganz grau sind, Mulattenhaare haben, die mulattenähnlich aussehen werden." (Rudolf Steiner, Gesamtausgabe 348, S. 189)
Nicht umsonst führte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) 2007 ein Indizierungsverfahren gegen zwei Bände der Rudolf-Steiner-Gesamtausgabe durch...

Bitte weiter solchen Schwachsinn, Lübecker Nachrichten!
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