"Greenpeace ist ein Konzern wie jeder andere" - Interview mit David Harnasch PDF Drucken E-Mail
Eingestellt von: Fabian Heinzel   
12.07.2010

Der Moderator und Journalist David Harnasch ist als Spezialist für Umweltfragen bekannt. Als solcher kritisiert er unter anderem Greenpeace und andere NGOs, spricht sich für eine freie Marktwirtschaft in einer freien Gesellschaft aus und ist Mitglied des publizistischen Netzwerks „Die Achse des Guten“. Im Interview mit Ökowatch erklärt Harnasch, welche Gemeinsamkeiten Greenpeace und die Bildzeitung für ihn haben und warum er die Tierrechtsorganisation PETA für menschenfeindlich hält.

 

    Ökowatch: Sie haben in Ihren Beiträgen unter anderem die Umweltschutzorganisation Greenpeace angegriffen. Was stört Sie an Greenpeace?

 

David Harnasch: Überhaupt nichts. Greenpeace ist ein Konzern wie jeder andere, er verkauft nur statt Autos oder Lebensmitteln eine Weltsicht und eine Meinung. Mich stört an den werten Kollegen von der Presse, dass sie nur sehr selten hinterfragen, was ihnen von diesem Laden serviert wird, denn Greenpeace ist bekanntlich „unabhängig“. Was selbstverständlich Quatsch ist, denn die Gehälter für über 1.000 Festangestellte fallen nicht vom Himmel. Also muss Angst und Empörung geschaffen und bewirtschaftet werden. Das ist völlig legitim, aber das Geschäftsprinzip ist eher das der Bildzeitung als das von BMW.

 

    Ökowatch: Sie kritisieren unter anderem, dass Greenpeace die falschen Prioritäten setzen würde. Aber wie soll man entscheiden, was die richtigen Prioritäten sind und wer soll das tun?

 

David Harnasch: Die Prioritäten von Greenpeace sind aus dem Eigeninteresse der Organisation heraus absolut richtig: Wenn man mit der Angst vor gentechnisch optimierter Nahrung mehr Geld verdient als mit der Empörung über Gift im chinesischen Fluss Dongjing, dann wäre man schlecht beraten, den Fokus hierauf zu legen. Nur ist das eine ein Non-Problem, das andere hingegen eine Katastrophe, die mal eben 200.000 Menschen von der Trinkwasserversorgung abschnitt. Es wäre Aufgabe der Medien und der Verbraucher – im Falle Greenpeace also der zahlenden Mitglieder und Spender – hier die Perspektive geradezurücken.

 

    Ökowatch: Nicht nur mit Greenpeace, auch mit der Tierschutzorganisation PETA gehen Sie hart ins Gericht. Was ist der Kern Ihrer Kritik an PETA?

 

David Harnasch: Während viele NGOs sehr konkrete Ziele verfolgen, ist PETA praktisch eine NGO 2.0: Politische Kampagnen dienen dazu, Geld reinzuholen, von dem dann wiederum politische Kampagnen veranstaltet werden. Daher bleibt leider kein Geld für Tierheime oder Tiervermittlung übrig. Statt dem einzelnen leidenden Lebewesen konkrete Hilfe angedeihen zu lassen, wird ein großes – und im Kern menschenfeindliches – Ziel verfolgt: Rechte für Tiere. Auch hier richtet sich meine Kritik gegen Medien und die Promis, die sich massenhaft für diesen Laden zur Verfügung stellen: PETA ist keine Tierschutzorganisation, sondern eine Tierrechtsorganisation. Wie krude das hier gepflegte Gedankengut ist, lässt sich in fünf Minuten ergooglen. Von flachwurzelnden Schauspielschlauscheln darf man diese intellektuelle Leistung nicht erwarten, von Journalisten hingegen muss man sie einfordern.

 

    Ökowatch: Sind Umweltschutz und freie Marktwirtschaft in Ihren Augen Gegensätze oder Verbündete?

 

David Harnasch: Umweltschutz und freie Marktwirtschaft sind nur dann automatisch Verbündete, wenn eine freie Gesellschaft hinzukommt. Ohne freie Presse, NGOs und Politiker, die sich vor ihren Wählern verantworten müssen, bringt die Marktwirtschaft alleine der Umwelt wenig – siehe China. Der durch Marktwirtschaft ermöglichte Wohlstand ist notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für eine saubere Umwelt.

 

    Ökowatch: Was würde sich ändern, wenn NGOs im Umwelt- und Entwicklungshilfebereich stärker auf die Entfaltung eines freien Marktes – auch in der Dritten Welt – setzen würden?

 

David Harnasch: Einige würden ganz fix pleitegehen, denn derzeit leben viele nicht davon, Probleme zu lösen, sondern sie zu bewirtschaften. Der Begriff NGO trifft gerade bei der Entwicklungshilfe oft nicht zu, denn die meisten Vereine hängen hier direkt am Tropf des europäischen Steuerzahlers. Das größte Verbrechen der Ersten an der Dritten Welt sind Importzölle und andere Handelsschranken. Kaum ein anderer einzelner Akteur handelt so segensreich wie die WTO.

 

Das Interview führte Fabian Heinzel

 

Kommentare  

 
# Bibliothekar 2010-07-13 08:39
Die Überschrift fordert meinen Widerspruch, auch wenn ich mit dem Text des Interviews sehr einverstanden bin.

Ich bin nicht der Meinung, daß Greepeace ein Konzern wie jeder andere ist. Wäre es so, müßte wenigstens ein Mindestmaß an Transparenz, besonders in finanzieller Hinsicht, und eine gewisse Glaubwürdigkeit vorhanden sein. Dies ist bei Konzernen doch wohl durch bestimmte Kontrollgremien geregelt. Greenpeace meint aber ständig als NGO eine Sonderstellung zu genießen und umgeht bewußt und zielgerichtet bestimmte Normen. Gerade mit der Transparenz haben Aktivistenvereinigungen besonders viele Probleme. Könnten doch die Bürger deren Unredlichkeit erkennen. Einen normalen Konzern kann ich zudem an seinen Produkten messen. Für die Lügenmärchen von Greenpeace gibt es jedoch noch keinen Normenkatalog.
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